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Um allerdings gezielt mit der Unschärfe arbeiten zu können, sollte man in der Lage sein, die Schärfe zu beherrschen. Im Kapitel Schärfentiefe habe ich bereits einige Tipps gegeben, die
ich hier nicht noch mal wiederholen möchte. Ebenso kannst Du auch im Bereich Objektive/Brennweiten nachlesen, wie unterschiedlich verschiedene Brennweiten mit dem Thema Schärfe umgehen.
Autofokuskameras, egal ob digital oder analog, ob Sucherkamera oder Spiegelreflex liefern inzwischen fast immer scharfe Fotos. Objektive, die sichtbare,
fertigungsbedingte Unschärfen verursachen, gehören ebenso der Vergangenheit an und so ziemlich alle Sensoren (selbst in den neuen Handys) schaffen scharfe Bilder. Sogar die Labore haben in den letzten Jahren
dazugelernt und produzieren nicht nur Schrott, sonder immer öfter erstaunlich gute Papierbilder (was die Digitaltechnik nicht alles möglich macht...).
Wenn doch alles so schön ist, was soll dann überhaupt diese Rubrik?
Tja, es gibt ein neues Problem: Die wild geliebte Digitalfotografie bringt´s quasi mit....
Da gibt es nämlich bei den meisten Digitalcameras so eine Einstellung (überwiegend gut versteckt in den Tiefen der Menüstruktur) namens “Sharpness”,
“Härte” oder auch “Soft-Normal-Hart”.
Nur um keine Verwirrung zu stiften, damit beeinflußt Du nicht den Autofokus Deiner Digitalen. Es ist eher ein elektronischer Filter in der Kamera, vergleichbar mit den
“Nachschärfefunktionen” gängiger Bildverarbeitungsprogramme. Findige Kameraentwickler haben nämlich herausgefunden, das knisternd scharfe Bilder vom Auge des Betrachters geliebt werden. So rechnet ein
digitaler Filter in der Kamera die unbehandelten Bilder auf dem CCD entsprechend um und macht aus den eher flachen Originalbilddateien knisternd scharfe und brilliante Fotos. Wenn Du Glück hast, kannst Du diesen
Vorgang an Deiner Kamera manuell beeinflußen. Viele billige Modelle erlauben sich diesen Eingriff sozusagen als Standard, den Du nicht ausschalten kannst.
Du fragst Dich jetzt bestimmt, was denn daran falsch sein soll, wenn es doch die Bilder so sehr verschönt.
Ganz einfach, erstens solltest Du der Chef bleiben und alle Dinge auch kontrollieren können und zweitens kann so ein Effekt auch ordentlich Nachteile bringen. Was bei Landschafts-, oder Architekturfotos sicher deutlich sichtbare Vorteile mit sich bringt, kann z.B. im Bereich der Portrait-, oder Aktfotografie ein ordentlicher Schuß nach hinten werden. Letztere erscheinen fast immer besser, wenn Du ein weiches Gesamtbild produzierst, das eben nicht jede
Hautunebenheit, jeden Pickel, jede Falte unnatürlich verstärkt hervorhebt (es sei denn, Du willst mal wieder Tante Gerti ordentlich ärgern...).
Manche Digitalcameras schalten diese vermeintliche Digitalfilterschärfung im Betriebsprogramm Portrait automatisch ab, oder stellen auf “Soft” um.
Hast Du die Möglichkeit zur manuellen Einflußnahme, schalte möglichst auf “Normal” oder “RAW” um.
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