Vieles haette ich verstanden, wenn man es mir nicht erklaert haette

Das Äiwälläbäll-Leid

Fotos mit vorhandenem Licht

Wieder ist so ein Tag, an dem es einfach nicht richtig hell werden will und die Depressionen mit voller Wumme durchschlagen. Du hockst gedankenverloren vor dem Schlüsselloch zur Wohnzimmertür und beobachtest Deine Tante Gerti im hautengen Stretchjogginganzug, wie sie mit ihrer neuen Digicam, aufgedreht wie ein Wiesel, hin und her flitzt.

Alle Lampen sind eingeschaltet und Du siehst, wie sie gerade das Klemmstativ an die Yuccapalme schraubt und sich ihr Gesicht zu einer schelmischen Grimasse verzieht? Irgendwas führt sie wieder im Schilde, wenn Du nur das Motiv erkennen könntest, das sie anvisiert, aber das Schlüsselloch ist zu eng.

Es muß was mit diesem neuen Zeug namens Äiwälläbäll-Leid zutun haben!
Davon erzählt sie ständig und dauernd schließt sie sich irgendwo ein oder pilgert spätnachmittags los und kommt erst wieder, wenn es draußen dunkel ist.
Und nicht nur das!
Sogar ihren Blitz hat sie erfolgreich bei eBay für 1,50 EUR versteigert.

Was ist nur los mit Tante Gerti?
Und könnte Dich das Äiwälläbäll-Leid womöglich auch noch treffen?

Ist es ansteckend oder macht es sogar süchtig?

Auf Lanzarote zum Sonnenuntergang
mit Stativ und Langzeitbelichtung Minolta SRT

Du bist nicht allein.
Schau Dir mal die nachfolgende Email an, die ich zum Thema Äiwälläbäll-Leid erhalten habe:

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Gesendet: Freitag, 18. November 2005 10:13
An: fotoschule @ ralfonso.de
Betreff: fragen an den meister der fotoschule

hallo ralfonso!

im sommer bin ich über die google-suche nach filtern auf deine fotoschule
gestossen - und habe seitdem teilweise mehrmals wöchentlich einen kleinen
streifzug veranstaltet. und ich muß sagen, ich bin begeistert! hut ab vor deiner arbeit und deiner erfahrung.

heute möchte ich mich nun mit einer (eigentlich zwei) frage an dich wenden.
es geht um das thema "available light" bei aussenaufnahmen und um innenaufnahmen bei schwierigen lichtverhältnissen.

vielleicht sollte ich dir erstmal meine "ausrüstung" nennen, damit du weißt, womit ich durch die lande ziehe:
kamera: nikon d70
objektiv: 28-80/3,3-5,6 (erbstück von meiner analogen f70)
blitz: sigma ef-500 dg super

so, nun zu meinen fragen... :)

innenaufnahmen bei schwierigen lichtverhältnissen
ich fotografiere öfters auf sportveranstaltungen in turnhallen und setze die bilder auf "meine" website. licht ist da immer glückssache. vor allem, da ich kurze belichtungszeiten benötige, um schnelle bewegungsabläufe scharf zu erwischen (ok, bewegungsunschärfe kann auch ein gestaltungsmittel sein, aber die kann ich dabei nicht gebrauchen). ich fotografiere meistens im sportprogramm der d70, ohne filter vorm objektiv (damit ich kein licht "verschenke"). der sigma-blitz ist natürlich auch an. ISO habe ich auf 200 gestellt. Nur ich komme trotzdem nicht unter eine Belichtungszeit von einer 60stel, mit glück auf ne 125stel. und ich muß meistens auch weiter weg stehen, so gute 5-6m meistens. teilweise gelingen gute fotos, die (in meinen augen) auch vernünftig ausgeleuchtet sind. aber viele sind dunkel, verwischt und absolut unbrauchbar.

hast du hierfür tipps für mich?

"available light" bei aussenaufnahmen blitz aus, kamera auf "p" und nach möglichkeit (natur-) stativ. soweit habe ich dich verstanden. gestern abend habe ich hier im ort auf einem herbstmarkt fotografiert. ohne blitz habe ich aber teilweise keine vernünftigen bilder zustande gebracht - aber dann hat der blitz auch alles erschlagen. einzelne stände ohne blitz ging manchmal ganz gut, einige, die nur mit lichterketten "beleuchtet" waren habe ich aber so nicht auf den chip bannen können. von aufnahmen mit personen ganz abgesehen, dafür waren die belichtungszeiten von 1.3-2.5sec einfach zu lang. ich habe dann testweise mal auf ISO800 gestellt und die belichtungszeiten sind noch länger geworden?

du siehst, ich bin anfänger und versuche mich gleich an nicht gerade trivialen motiven. aber vielleicht hast du ja den einen oder anderen tipp für mich auf lager.

ich würde mich freuen von dir zu hören.
viele grüße aus dem kalten flensburg

gruß,
Arne


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Wie Du deutlich lesen kannst, scheint es da Verbindungen zwischen Tante Gerti und Arne zu geben, beide sind infiziert vom Äiwälläbäll-Leid.


Um es nun nicht allzu ausufern zu lassen, gibts nun ein paar
R@lfonso-Foto-Tipps:

Äiwälläbäll-Leid ist natürlich keine Krankheit, sondern die Möglichkeit Fotos mit dem natürlichen vorhandenem Licht zu realisieren. Das sind Fotos, die bei Zimmerlicht, in der Dämmerung oder in ähnlichen Situationen eben ohne Zuschalten eines Blitzlichtes entstehen. Ich habe bereits in verschiedenen Rubriken der Fotoschule über das Fotografieren ohne Blitz berichtet. Du solltest darum auf jeden Fall ergänzend einen Blick in folgende Themenbeiträge werfen:

Blitz
Blaue Stunde
Nachtaufnahmen/Lange Belichtungszeiten
Verschlußzeit
Innenaufnahmen
Lange Belichtungszeiten
Lichtstärke

Wenn Du diese Bereiche durchstöbert hast, wird Dir klar sein, dass es von Vorteil sein kann, auf das Blitzgerät zu verzichten und beeindruckende Bilder durch Verwendung der natürlichen Lichtverhältnisse zu bekommen. Und Du wirst kaum überlesen haben, dass ein Stativ (oder eine provisorisch zum Stativ umfunktionierte feste Unterlage) für beste Voraussetzungen sorgt. Auch wenn das Stativ mal der krumme Rücken von Tante Gerti sein muß.

entstanden auf Gran Canaria, abends gegen 10
Sucherkamera auf eine kleine Mauer gelegt und auf Langzeitbelichtung gestellt.... fertig :-)

Wie Du aber an der Email von Arne sehen kannst, hält der Fotoalltag auch ein paar Überraschungen bereit, die Dich vor neue Herausforderungen stellen. Manchmal sind sie mit Tricks zu lösen, oft gelangst Du aber auch an
optisch-physikalische Grenzen, die Du nicht überwinden kannst. Vielleicht helfen dann noch Tante Gertis verborgene Hexenkünste, wenn sie ihre Kräutertütchen nebst Glaskugel hervorkramt oder der tiefe Griff ins Portemonnaie zur Anschaffung hochwertiger optischer Meisterwerke, sprich superlichtstarke Objektive.

Arnes erste Frage streift genau diese Grenze:
er hat wenig Licht (Turnhallenbeleuchtung), braucht lange Brennweiten (größere Entfernung zum Motiv, die er räumlich nicht verringern kann, sonst turnt er nämlich selbst mit und muß sich darum mit schlechteren
Lichtstärken im Telebereich rumschlagen), benötigt aber wegen der sich bewegenden Sportler kurze Verschlußzeiten (die er jedoch nicht bekommt, weil ja nicht genug Licht da ist >>Schachsport und Yogaturniere wären die versöhnlicheren Sportarten<<) und kann aufgrund der Entfernung nicht mehr allzuviel mit dem zusätzlich eingesetzten Blitz bewirken (denn der hat eben nur eine begrenzte Reichweite, danach ist Sense).
Der nichtverwendete Filter (ich denke mal, es ist ein
UV oder Skylight) hilft da nicht, denn der schluckt kein Licht (zumindest nicht spürbar).

Aber was hilft in so einer Situation?
Leider nicht wirklich viel. Der Mix aus "Weniglicht" und "Schneller Motivbewegung" erfordert eben (wie Arne es ja selbst schreibt) eine kurze Verschlußzeit um die Bewegungsunschärfe zu verhindern. Somit brauchst Du große Blendenöffnungen. Seiner Objektivbeschreibung zufolge, schafft das Objektiv bei 80mm Brennweite (die braucht er wiederum, weil er ja ein Stück vom Sportler entfernt steht) gerade mal 1:5,6. Arne bräuchte aber, um auf Verschlußzeiten um 1/250sec zu kommen mindestens 1:2,8 oder besser noch 1:1,4.
Anders ausgedrückt heißt das leider:
"sorry Arne, aber mit Deiner jetzigen Ausrüstung wirst Du es nicht realisieren, die Fotos zu bekommen, die Du gerne haben möchtest."
Ein einziger Trick wäre noch die Lichtstärke des CCD-Sensors zu verändern, sprich den ISO-Wert von 200 auf 400 oder testweise auf 800 zu erhöhen. Das bringt eine bis 1,8 Blendenstufen, wird aber meistens durch eine überdurchschnittlich starke Qualitätsminderung in Farbe und Auflösung erkauft. Sportler sind Menschen (okay, da gibts sicher unterschiedliche Meinungen...) und bei Menschen sind Grobkörnigkeit der Haut und blasse flaue Farben besonders störend und auffallend.

Tricks im nachträglichen Bearbeiten am Blechotto können vielleicht noch etwas bringen, aber hier gibt es nur eine wirkliche Lösung: eine lichtstarke Festbrennweite (Teleobjektiv 1:2,0 80 oder 100mm). Zusätzlich könnte auch ein stärkerer Blitz mit Teleaufsatz (bündelt das Licht entsprechend der Brennweite) noch für bessere Fotos sorgen.

Samana, Karibik

Das Hotel Cacao Beach auf Samana am Abend.
Hier fotografierte ich mit meiner analogen SLR Minolta X-700 und einem Tokina Zoom 35-105mm mit folgenden Einstellungen: Belichtungszeit 2 Sekunden, f8, 50mm Brennweite, Stativ, Drahtauslöser, Diafilm Fuji ISO50
Ich nutzte das vorhandene Licht (Available Light), um die schönen bunten Farben möglichst naturgetreu einzufangen.
Aus meinem Online-Fotoalbum
Karibik

Arnes zweite Frage betrifft auch ein paar optische Gesetze, die eben nicht zu überwinden sind.
Einzelne Stände mit weihnachtlicher Beleuchtung (oder natürlichem Licht aus Glühbirnen) fotografiert man ohne Blitz um die Stimmung einzufangen. Arne schreibt richtig, dass der eingesetzte Blitz alles erschlägt. Andererseits (und da sind wir bei den optischen Grenzen) bringen die paar Glühbirnchen leider keine ausreichende Ausleuchtung der Stände ins Bild. Hier hilft es nur, ein paar Versuche mit unterschiedlichen Belichtungszeiten im Langzeitbelichtungsbereich zu machen und zu schauen, welche Bilder noch halbwegs erträgliche Glühbirnen verbunden mit halbwegs gut ausgeleuchteten Stand-Details zeigen. Der zusätzliche Einsatz des gedrosselten Blitzes im Aufhellmodus (also nur 1/4 oder ein 1/8 der Blitzleistung) kann auch helfen, die zu dunkelen Partien etwas aufzuhellen und trotzdem die atmosphärische Schönheit der Glühbirnenbeleuchtung zu retten. Hier ist aber auch "Probieren" angesagt. Im Bereich der Available-Light-Fotografie ist eben vieles Improvisation (Belichtungsreihen werden notwendig, um den besten Treffer zu finden). Letzlich ist es bei manchen Motiven ganz einfach so, dass da, wo kein Licht ist, eben auch keins auf den Film / Chip kommt. Da kann man probieren, wie man will.

Dortmunder_Weihnachtsbaum

Weihnachtsmarkt Dortmund mit dem größten Weihnachtsbaum der Welt (zumindest in dem Jahr) zur Blauen Stunde,
DSLR, Stativ, HDR mit 3 Einzelfotos, am Blechotto digital verfremdet

Eine weitere Hilfe stellt die HDR-Fotografie dar. Durch Belichtungsreihen kannst Du ein neues Bild am PC schaffen, das sich aus allen drei Fotos Deiner Belichtungsreihe zusammensetzt: lies bitte mal hier rein, wie es genau geht.

Arne schreibt weiter, dass ihm die Stände nicht reichen, sondern auch noch Tante Gerti mit in die Glühbirnenidylle muß. Da treffen wieder die beiden Kontrahenten aufeinander: wenig Licht und kurze Verschlußzeit. Der Glühweinstand ist relativ dunkel und Tante Gerti relativ knülle. Langzeitbelichtungen erfordern neben der feststehenden Kamera auch feststehende Motive, alles, was sich bewegt, verschwimmt. Tante Gerti im Glühweinrausch ruhig zu kriegen ist hoffnungslos.
Da gibts nur einen Trick:
Langzeitsynchronisation bzw. Langzeit- Blitzautomatik. Einzelheiten findest Du per Klick HIER in der Fotoschule.

Das Resultat ist ein Foto, das durch die längere Synchronzeit noch jede Menge Hintergrundlicht vom beleuchteten Stand erfasst und eine korrekt belichtete Tante Gerti (leider evtl. mit roten Zombieaugen, aber man kann ja nicht alles haben...).
Auch ohne so ein Programm geht es durch das manuelle Auswählen einer langen Belichtungszeit und manuellem Auslösen des Blitzgerätes. Je länger Du die Verschlußzeit wählst, umso mehr kommt vom Hintergrundlicht auf den Film/Chip und je wärmer, bezogen auf die Farbtemperatur, wird Dein Foto. Auch hier hilft das Ausprobieren unterschiedlicher Belichtungskombinationen und nachträgliche Auswählen des besten Bildes.



Ein weiterer Bereich der Available-Light-Fotografie ist der Bereich der
Konzertfotografie.
Viel Wissen aus diesem Bereich, kannst Du dort anwenden.
Näheres erfährst Du per Klick auf den Button:

Konzertfotografie


In der Rubrik Email-Fragen habe ich konkrete Tipps und Einstellungsbeispiele für Nachtaufnahmen hinterlegt.
Guckst Du HIER
 

Samana, Karibik

Das Hotel Cacao Beach auf Samana am Abend (vor einigen Jahren).
Hier fotografierte ich mit meiner analogen SLR Minolta X-700 und einem Tokina Zoom 35-105mm mit folgenden Einstellungen: Belichtungszeit 2 Sekunden, f4, 85mm Brennweite, Stativ, Drahtauslöser, Diafilm Fuji ISO50
Ich nutzte das vorhandene Licht (Available Light), um die schönen bunten Farben möglichst naturgetreu einzufangen. Leider gab es seinerzeit noch kein HDR und ähnliche Tricks, so sind weite Teile des Bildes im tiefen Schwarz verschwunden.
Aus meinem Online-Fotoalbum
Karibik


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