Verschlußzeit
... das Spiel mit der Zeit ...

Die Verschlußzeit spielt neben der Blende eine entscheidende Rolle für die richtige Belichtung des Bildes.
Die Verschlußzeit steuert
die Dauer der Belichtung, die Blende reguliert die Menge des eintreffenden Lichtes.
Näheres zum Zusammenspiel der beiden Komponenten findest Du im Themenbereich
Verschlußzeit und Blende.
(Klick darauf, wenn es Dich interessiert; für alle anderen, die von dieser Seite hierhin kommen, gehts nun im folgenden weiter:)

Es gibt verschiedene Arten der Verschlußsteuerung. Ich nenne sie mal, ist aber nicht so wichtig, denn letztlich regeln sie alle nur die Zeit, die das Licht durch das Objektiv kommend auf den Film bzw. CCD trifft.
Es gibt mechanische Verschlüsse (kreisförmig als Zentralverschluß oder jalousieartig als Schlitzverschluß) und digitale Verschlüsse (der CCD wird nach einer gewissen Zeit abgeschaltet).
Verschlußzeiten werden in Sekunden bzw. Bruchteilen von Sekunden angegeben. Auf Deinem Verschlußzeitenrädchen der Kamera (oder im Display der Kamera) findest Du Zahlenwerte, die z.B. heißen:
60, 125, 250 oder 1000. Gemeint ist die Zeit, die der Verschluß der Kamera geöffnet bleibt in Bruchteilen einer Sekunde.
(60 = 1/60tel Sekunde oder 1000 = ein Tausendstel-Sekunde). Je größer die Zahl, umso kürzer bleibt der Verschluß geöffnet (1000 = kurz, 15 = lange). Ein Sprung zwischen den Zeiten ist immer ein Belichtungswert, d.h. eine Verdoppelung und Halbierung der Belichtungszeit. Man spricht von langen Belichtungszeiten bei Verschlußzeiten unter 1/8sec. Umgekehrt werden Verschlußzeiten ab 1/125sec als kurze Verschlußzeiten bezeichnet. Im vorherigen Kapitel habe ich bereits erwähnt, daß nicht nur die Blende, sondern auch die Verschlußzeit weitergehende Auswirkungen auf das Entstehen des Bildes hat (als lediglich für die richtige Lichtmenge zu sorgen).

Tauben auf dem Markusplatz in Venedig, die sich in Scharen auf ausgestreutes Futter stürzen

Tauben auf dem Markusplatz in Venedig, die sich in Scharen auf ausgestreutes Futter stürzen

Dieses Bild entstand mit einem 500mm Teleobjektiv auf Schwarzweißfilm mit Blende f11 und 1/30 sec. vom Stativ aus. Ganz unten erkennst Du eine Taube, die ruhig saß und somit scharf und nicht verwischt dargestellt wurde. Die anderen verwischten Stellen im Bild sind die flatternden Flügel der gierig aufgeregten Tauben. Durch die relativ lange Verschlußzeit wurden die sich bewegenden Flügel verwischt abgebildet. Von diesem Effekt der sichtbaren Bewegung lebt das Bild. Am Blechotto habe ich das Foto per Umkehrung im Negativ dargestellt, was zur zusätzlichen Verfremdung führt (das hat aber nichts mit der Verschlußzeit zu tun...).

Verwackelung
(oft auch fälschlicherweise als unscharf bezeichnet)

Verwackelte Fotos erhält man, wenn sich die Kamera während der Belichtung bewegt.
Verwackelte Fotos erhält man auch dann, wenn sich das Motiv während der Belichtung bewegt (wie die Tauben oben auf dem Bild, was da aber ein gewünschter und positiver Effekt ist).
Um dem entgegenzuwirken, versuchst Du die Verschlußzeit so kurz, wie möglich zu wählen. Dadurch erreichst Du, daß die Zeit, die der Verschluß für die Belichtung geöffnet bleibt ganz kurz ist. In dieser kurzen Zeit sinkt die Möglichkeit, die Kamera zu verwackeln. Der Verschluß bleibt bei 1/1000sec nur so kurz auf, daß Du gar nicht die Chance hast, sie zu verreißen. Und Dein bewegtes Motiv kann sich in so einem kurzen Zeitraum gar nicht weit bewegen; Du frierst es förmlich für einen Sekundenbruchteil ein.
Die Gefahr zu verwackeln steigt bei längerer Brennweite immer weiter an. Der Bildwinkel wird enger und die Gefahr von ungewollter Bewegung größer. Ab einer gewissen Telebrennweite verwackelt sogar schon das natürliche Ruhezittern der Hand oder das Aufschlagen des Spiegels in der Kamera.

Als Faustregel kannst Du Dir folgende Eselsbrücke zur maximalen Freihandgrenze merken:

1/Brennweite = äußerste Verschlußzeit zur verwacklungsfreien Fotografie
(200mm-Tele erfordert demnach mindestens 1/200sec Verschlußzeit, besser kürzer)
Alle längeren Verschlußzeiten erfordern den Einsatz eines Stativs.


Auch das Spiel mit der Verschlußzeit will ich kurz erwähnen.
Du kennst sicher die Bilder von Formel 1 Rennwagen, die scharf auf dem Foto vor einem verwischten Hintergrund abgebildet sind und das ganze Bild förmlich Bewegung ausstrahlt. Das kannst Du erreichen, wenn Du die Verschlußzeit verlängerst und während der Belichtung mit dem Motiv (in unserem Beispiel der Rennwagen) mitziehst. Das Motiv bewegt sich in der Geschwindigkeit Deines Kameraschwenks, während der starre Hintergrund dadurch verwischt. Man spricht bei solchen Bildern vom
Mitzieheffekt, der in der Fotoschule in einer eigenen Rubrik behandelt wird; bei Interesse klick bitte HIER (wenn Du die Fotoschule wie ein Buch durchklickst, kommst Du etwas später aber automatisch dorthin).

Ebenso kannst Du bei Motiven, die bewegtes Wasser zeigen, unterschiedliche Stimmungen erreichen, wenn Du die Verschlußzeit bewußt wählst.

Zwei Beispiele aus meiner Fotoserie Korfu, die zwar an zwei unterschiedlichen Abenden, aber an derselben Stelle entstanden, zeigen den Einfluß der Verschlußzeit auf das fertige Bild sehr deutlich:

Lange Verschlußzeit
Kurze Verschlußzeit

Hier siehst Du das Meer mit langer Verschlußzeit fotografiert. Ich setzte meine Kamera auf ein improvisiertes Stativ (das war übrigens meine Fototasche auf einer Strandliege stehend und darauf die Kamera) und fotografierte mit 1/8 sec. So schimmert das aufgewühlte Meer wie ein sanfter See.

Zum Vergleich die Wirkung bei kurzer Verschlußzeit.
Besonders auffallend zu sehen vorne an den schäumenden Wellen.
1/125 sec. f5,6

Du siehst, das bewußte Spiel mit der Verschlußzeit führt zu ausdrucksstärkeren Fotografien. Du kannst mit diesem Gestaltungsmittel Deinen Bildern eine komplett andere Wirkung verleihen und Emotionen ausdrücken. Solche recht einfachen Eingriffsmöglichkeiten bleiben Dir jedoch verwehrt, wenn Du nur per Programmautomatik fotografierst (und die Kamera schon machen lässt...)


Einige Beispielfotos zum Zusammenspiel von Blende
und Verschlußzeit findest Du per Klick
hier:
 


Zum Thema Verschlußzeit und Blende hält die Fotoschule to go eine Fototipp-Card zum Mitnehmen bereit, konzentriert aufs Wesentliche, einfach ausdrucken und in die Fototasche stecken.

Klick auf das Fototipp-Card-Logo:
 

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