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Seitdem Programmautomatiken und “Alles-Automatisch-Ohne-Nachzudenken” den Einzug bei Kameras hielten, haben viele Fotografen den überaus wichtigen Einfluß
von Blende und Verschlußzeit auf das fertige Bild schlichtweg vergessen. Ich spreche übrigens von Fotografen und nicht von Amateurfotografen. Ein Autofahrer heißt ja auch nicht Amateurautofahrer, wenn er nicht
gegen Geld bei der Formel 1 mitfährt. Aber zurück zur Blende und Verschlußzeit.
Kurz erklärt, bestimmt die Blende wieviel Licht und die Verschlußzeit wie lange Licht auf den Film bzw. CCD fällt. Beide stehen ständig in Relation
zueinander. Der Film ist auf eine bestimmte Lichtmenge geeicht (angegeben in ISO oder ASA z.B. 100 oder 200). Das heißt, egal ob es vor der Kamera hell oder dunkel ist, braucht der Film stur seine gleiche Menge
Licht. Beim CCD- Sensor liegt es vergleichbar, sofern Du eine feste ISO- Zahl fest eingestellt hast; z.B. ISO 100.
Um dieser Sturheit gerecht zu werden, gibt es zur Anpassung des Lichtes die Blende und Verschlußzeit. Läßt Du durch eine geöffnetere Blende mehr Licht durch das Objektiv fallen, mußt Du die Zeit verkürzen, die es auf den Sensor fällt. Und auch umgekehrt. Und schon haben wir das Zusammenspiel.
Nehmen wir mal Tante Gerti. Tante Gerti trinkt
gerne Milchkaffee, wie Du ja weißt. Die richtige Lichtmenge des Films (oder CCD) ist erreicht, wenn Tante Gertis Schälchen Milchkaffee bis zum Rand gefüllt ist. Um das zu erreichen, kannst Du den Milchkaffee mit
einem großen Strahl schnell einschütten, oder Du läßt ihn langsam in die Tasse tröppeln und brauchst dann entsprechend länger, bis Tante Gertis Milchkaffee endlich fertig ist. Tante Gertis Nörgeln über den
schlechten Geschmack ist an dieser Stelle ausnahmsweise mal kein Thema.
Die Moral von der Geschicht ist schlicht: Dein Fotoapparat ist eine Kaffeetasse.
Nein, auch das erscheint nicht ganz richtig zu sein...
Blenden werden je nach Öffnung in Zahlen angegeben, die z.B. heißen: f1,4 / f2,8 / f8 oder f22. Dabei gibt eine kleine Zahl eine große Öffnung der
Blendenlamellen an. Verschlußzeiten werden in Sekunden bzw. Bruchteilen von Sekunden (und zwar als Hundertstel- Sekunden) angegeben. Auf Deinem Verschlußzeitenrädchen der Kamera (oder im Display der Kamera)
findest Du Zahlenwerte, die z.B. heißen: 60, 125, 250 oder 1000. Gemeint ist die Zeit, die der Verschluß der Kamera geöffnet bleibt in Hundertstelsekunden (60 = 1/60tel Sekunde). Je größer die Zahl, umso kürzer
bleibt der Verschluß geöffnet (1000 = kurz, 15 = lange).
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Da ich mir aber auf die Fahne geschrieben habe, in der Fotoschule keine schwierigen und technischen Zusammenhänge durchzukauen, soll’s das auch schon gewesen sein.
Wir wenden uns wieder unserer Tante Gerti und ihrem Milchkaffee zu: Die Kunst liegt darin, das richtige Verhältnis zwischen Einschüttstrahl der Kaffeekanne und der Länge des Einschüttens zu finden. Läuft die
Tasse über, gibt es Ärger mit Tante Gerti, weil dann die Häkeltischdecke versaut ist. Fehlt dagegen noch jede Menge Milchkaffee in der Tasse, gibt es dumme Kommentare: “Was bist Du so geizig? Schüttest mir die
Tasse noch nicht mal voll!” Auch nicht richtig. Als erfahrener Milchkaffee-Einschütter wirst Du also ein Gleichgewicht finden, das die Tasse optimal gefüllt ist, es nicht eine Stunde dauert und der
Milchkaffee nicht so wild aus der Kanne schießt, das alles vollspritzt.
Na also. Jetzt weißt Du alles Notwendige.
Dummerweise haben die Blende und Verschlußzeit aber noch viel weitergehende
Einflüsse auf das entstehende Bild, als nur für eine korrekte Belichtung zu sorgen. In den anderen Themengebieten der Fotoschule gehe ich da speziell drauf ein; hier noch mal in der Kurzform kurz angerissen:
Blende beeinflusst die Schärfentiefe (bitte auf Schärfentiefe oder Blende klicken)
Verschlußzeit (bitte auf Verschlußzeit klicken)
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