Vieles haette ich verstanden, wenn man es mir nicht erklaert haette

Makrofotografie

... kleine Dinge ganz groß ...

Ein dünner roter Faden verbindet Tante Gerti, die Marienkäferzucht, das Marienkäferken als solches, den Oberbruttenscheider Wald und die Makrofotografie. Willst Du nämlich eines von Tante Gertis Marienkäferken aus dem Marienkäferzuchtverein im Tau besetztem Oberbruttenscheider Wald im Licht des frühen Morgens formatfüllend fotografieren, dann bist Du schon mitten drin in der Makrofotografie!

Makrofotografie ist das Fotografieren mit großen Abbildungsmaßstäben von mindestens 1:2 bis 1:1 und größer. Das Bild des Marienkäferkens ist also mindestens halb so groß wie das Motiv selbst, genauso groß oder sogar größer (Riesen-Käferken).
Die Makrofotografie (Achtung! Hoher Suchtfaktor....!) eröffnet Dir eine ganz neue Fotowelt, denn einmal infiziert wirst Du so eine Fülle an Motiven im ganz Kleinen entdecken, die Du bisher unbeachtet und ungesehen am Wegesrand hast liegen lassen. Und nicht nur das. In unserem schönen Deutschland, das ja zum Glück
reich an Regen und Sauwetter ist, eröffnet Dir die Makrofotografie eine üppige Motivvielfalt mitten in Tante Gertis muffiger Wohnküche. Makrofotografie kann problemlos auf dem Küchentisch stattfinden (.... na ja, das gilt zwar auch für die Aktfotografie, aber das lassen wir jetzt mal außen vor....).

Kroatische Grille

Ein kroatischer Grashüpfer aus meiner Fotoserie Istrien

 Was brauchst Du nun alles für Tante Gertis Marienkäferken?
Nicht zwingend, aber schon ideal ist eine Spiegelreflexkamera. Ob sie nun digital speichert, oder
klassisch auf Film, ist nicht relevant. Um diese Rubrik nicht allzu arg ausufern zu lassen, beschränke ich mich auf den Einsatz einer SLR. Verschiedene Tipps sind aber ebenso auf eine Bridge-, Prosumer-, oder kompakten Digitalcamera übertragbar.

Um in den Bereich der Makrofotografie einzusteigen, benötigst Du erstmal kein "echtes" Makroobjektiv.
Es gibt diverse kostengünstige Alternativen, die Dir vergleichbare Möglichkeiten bieten (näheres dazu findest Du weiter unten im Text). Etwas mit Vorsicht zu geniessen ist die Angabe "Makro" auf vielen Zoomobjektiven diverser Hersteller. Oft wird dieser Begriff grosszügig und werbewirksam vermarktet, hat aber mit dem echten Makrobereich nicht viel gemeinsam. Meistens schaffen die Objektive gerade mal einen Abbildungsmaßstab von 1:4 und das mit recht bescheidener Bildqualität. Ein "richtiges" Makroobjektiv schafft die 1:1, hat in etwa eine Festbrennweite von 50 bis 80 mm (es gibt auch lichtstarke Boliden bis 150mm) und ist nicht billig. Du brauchst bei Makroobjektiven übrigens nicht auf eine Super-Lichtstärke zu achten, denn in der Praxis wirst Du ein solches Objektiv ohnehin stark abblenden, um eine
große Schärfentiefe zu erzielen.
Bei der Brennweite solltest Du überlegen, wie nah Du an Dein Objekt heran willst. Eine größere Brennweite (100 - 180mm) erlaubt Dir einen größeren Abstand zum Marienkäferken, was den Vorteil hat, daß leicht flüchtende Tiere nicht so schnell durch Dich aufgeschreckt werden. Allerdings kosten solche Objektive deutlich mehr und sind bauartbedingt meistens recht wuchtig.

Autofokus-verwöhnte Fotofans werden im Bereich der Makrofotografie eine neue Erfahrung machen. Das Abschalten und selektive manuelle Scharfstellen nach Sucherbild führt zu deutlich besseren Ergebnissen und geht meistens schneller. Oft saust der Autofokus am Marienkäferken vorbei und fokussiert durch den gesamten Schärfebereich durch, bis ein scharfes Bild gefunden ist.
Die Abbildungsleistung (sprich Qualität der Makroobjektive) ist bei allen Herstellern recht hoch.



Die kostengünstigste Alternative zur Anschaffung eines teuren Makroobjektivs sind sogenannte Nahlinsen.
Es gibt sie in unterschiedlichen Stärken, die mit Dioptrien bezeichnet werden. Eine Nahlinse schraubst Du vorne in das Filtergewinde Deines Objektivs und verpasst ihm somit eine Art Lesebrille für Kleines. Viele Filterhersteller bieten direkt ein Nahlinsen-Set mit Linsen unterschiedlicher Dioptrienstärke an, was ich Dir aufgrund der größeren Flexibilität empfehlen würde. Nahlinsen verkürzen somit die Brennweite des Objektivs, durch das "Näher-Rangehen" erzielst Du dann einen größeren Abbildungsmaßstab. Die Belichtungsmessung durchs Objektiv und der Autofocus arbeiten mit Nahlinsen wie gewohnt.
Nahlinsen lassen sich auch auf "Nicht-SLR-Kameras" nutzen, es gibt Versionen, die kein Schraubgewinde haben, sondern zum Aufstecken sind. So erschließt sich auch den Kompakt-Digicam-Fotofans die Welt der Marienkäferken.
Eine Nahlinse erreicht nicht die Bildqualität eines Makroobjektives und ist somit für Fotofans geeignet, die gelegentlich mal "näher ranwollen" oder sich erstmal in der Welt der kleinen Großen umschauen wollen.

Eine weitere kostengünstigste Alternative zur Anschaffung eines teuren Makroobjektivs sind Zwischenringe und Umkehrringe. Diese Alternative bleibt aber den Fotofans mit Spiegelreflexlameras vorbehalten, denn beide Ringe werden zwischen dem Objektiv und der Kamera montiert.
Ein Zwischenring sieht so ähnlich aus, wie ein Telekonverter, hat aber keine Linsen (ist also hohl) und verschlechtert somit auch nicht die Abbildungsleistung des Objektivs (ganz ander als bei Nahlinsen). Zwischenringe kaufst Du normalerweise im Dreierpack in den
Größen 10, 20 und 30 mm. Ideal sind automatische Zwischenringe, die alle Steuerfunktionen der Kamera auf´s Objektiv übertragen, manuelle sind deutlich billiger, stellen Dich aber auch vor weitere fotografische Herausforderungen (Manuelle Belichtung). Während der Zwischenring am Bajonett der Kamera montiert wird und auf der anderen Seite das Objektiv wieder mit dem Bajonett aufnimmt, erfolgt die Montage des Objektivs bei der Verwendung eines Umkehrringes andersrum. Der Umkehrring kommt ans Gehäuse der Kamera und das Objektiv wird mit dem Filtergewinde der Frontlinse "falsch herum" an den Umkehrring geschraubt und so ans Kameragehäuse gesetzt (ideal mit kurzen Brennweiten, also Weitwinkelobjektive). Wenn Du näheres über die physikalischen Zusammenhänge von Frontlinse und Rücklinse auf den Abbildungsmaßstab wissen möchtest, solltest Du besser auf einschlägigen Seiten im Web oder in entsprechender Fachliteratur nachschlagen.

Aus meiner Fotoserie Korfu

Ich möchte auch in dieser Rubrik versuchen, den Schwerpunkt auf´s einfache Erhalten von Fotos und nicht auf tiefgreifende technische Ausschweife zu legen.

Für Dich von Interesse ist sicher der unangenehme Umstand, daß weder die Belichtungsmessung, noch die Scharfstellung Deiner Kamera funktioniert. Du mußt etwas Improvisationsbereitschaft mitbringen und die Schärfe durch Verändern Deines Kamerastandpunktes zum Marienkäferken und einige Belichtungsreihen mit Näherungswerten versuchen. Das hört sich vielleicht etwas absurd an, macht aber richtig Spaß, wenn man sich erstmal in die Experimentierwelt hat fallen lassen. Ich habe in meinen fotografischen Anfangsjahren mit einem Umkehrring gearbeitet und konnte es immer kaum erwarten, bis meine Versuchsergebnisse endlich beim Fotohändler entwickelt waren. Was damals noch richtig Geld kostete, gibts heute per Bilddatei quasi gratis. Da hab ich nur von geträumt damals.

Dieses Foto einer Muschel fotografierte ich per Umkehrring, an dem ein 28mm Weitwinkel montiert war.

Dieses Foto einer Muschel fotografierte ich per Umkehrring, an dem ein 28mm Weitwinkel montiert war.

Ein paar Worte zur Praxis:

Da Du meistens mit kleiner Blende fotografierst (f5,6 oder f8), um eine größere Schärfentiefe zu bekommen, wirst Du überwiegend mit längeren Verschlußzeiten arbeiten müssen. So kommst Du schnell in Verschlußzeitenbereiche, die Deine Fotos verwackeln lassen. Mein Tipp: Stativ nutzen.
Da Du ganz groß im ganz Kleinen fotografierst, kommen ganz neue Probleme auf Dich zu. Für Aufnahmen in der freien Natur dürfte Dein größter Störfaktor der Wind werden. Selbst kleine Luftzüge lassen Blüten wackeln und Äste schwanken. Aufgrund des Abbildungsmaßstabes bewegt sich so ein kleines Marienkäferken auf einem Grashalm schon recht rasant zwischen den Sucherbildecken hin und her, wenn ein leichter Luftzug geht. Zusätzlich stellt sich auch die Frage, wie lange wohl so ein Marienkäferken freiwillig vor Deiner Kamera sitzen bleiben wird. Da hilft nur etwas Glück, Ausdauer und Geduld. Mach ein paar Aufnahmen in der Hoffnung, dass sich Dein sausendes Marienkäferken genau durch Deinen Schärfebereich hindurch wedelt und nicht vorher wegfliegt.

Logischerweise mußt Du Dich mit solchen Problemen in Deinem improvisierten Makrostudio auf Tante Gertis Küchentisch nicht rumschlagen, wenn Du ein paar Blüten ihrer Orchideenzucht fotografierst....

...und hier gehts weiter in der Fotoschule...


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