Vieles haette ich verstanden, wenn man es mir nicht erklaert haette

Autos fotografieren

… das liebste Stück ins rechte Bild rücken....

Was fotografiert der geneigte Fotofan am liebsten, wenn es nicht gerade die holde Angebetete ist....?
Genau, die blecherne Pracht auf vier Rädern.

Und da ist es ganz egal, ob die Fotos gebraucht werden, um die alte knartschende Karre gewinnträchtig für das Online-Portal perfekt aussehen zu lassen, oder “nur” den glänzenden Neuwagen mit 8 Kilometern auf dem Tacho für immer festzuhalten. Wenn Du Dich schon mal an das Thema Autos mit Deiner Kamera heran gewagt hast, wirst Du sicher bemerkt haben, dass es gar nicht so einfach gelingen mag, was die Fotoprofis der Autohersteller in ihren glänzenden Prospekten scheinbar problemlos hinbekommen. Meistens wirkt Dein Wagen dann lediglich wie ein ganz normales Auto, der spannende Kick fehlt aber.

Die spezielle Perspektive

Fotofan Arne hat bei seinen diversen Ausflügen zur
Auto-Rallye mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Auch im Motorsport gilt es die Rennboliden irgendwie so zu erwischen, dass die Autos als spannende Sportmaschinen rüberkommen und nicht wie langweilige und obendrein recht schmutzige “Normalos” erscheinen. Arne nutzt für seine Fotos von fahrenden Autos häufig den Mitzieheffekt (auch “Panning” genannt), um über diesen kleinen Fototrick den Eindruck von Geschwindigkeit ins Bild zu bekommen. Einzelheiten findest Du in der Rubrik der Fotoschule namens Rallye und / oder unter “Mitzieheffekt”.

Es ist aber vermutlich eher unwahrscheinlich, dass Du Dein Auto fahrend fotografieren wirst. Er soll eher stehend schön wirken. Auf dem Foto rechts (ein Mazda MX5 im Jahre 1996) fotografierte ich den Wagen vom Garagendach aus, um eine spannende Perspektive hinzubekommen. Immerhin war es ja gerade der Reiz des offenen Wagens, der mich immer am meisten fesselte. Und ich konnte mich hinstellen, wie ich wollte, aber dieses Feeling von “offen” und “einfach hinein hüpfen in den kleinen Flitzer” wollte sich beharrlich nicht einstellen. Die Idee kam mir, als ich über meine frustigen Foto-Sessions mit einem Freund sprach und sagte: “Ich könnte mich auf den Kopf stellen, das wird einfach nichts.” Und wie Freunde manchmal so sind, gab´s als Antwort: “Warum nicht, mach´s doch einfach und versuch´s mal auf dem Kopf stehend...” Nun bin ich nicht ganz so wörtlich an die Sache herangegangen, aber die Idee war da: >> irgendwie von oben runter, irgendwie eine ganz andere Sicht versuchen. << 

Das fertige Foto, übrigens ein klassisches Farbbild mit einer mechanischen Spiegelreflexkamera aus den 80er auf Diafilm fotografiert, war dann perspektivisch schon ganz nett. Und Du weißt ja sicher selbst zu gut, was “ganz nett” in der
Ranking-Skala heißt. Es musste also noch was geschehen mit dem Foto. So gings dann ab in die Dunkelkammer (ja genau, ´ne
echte Duka, keine digitale am Blechotto) und ich experimentierte so lange herum, bis mein Bild das zeigte, was ich mir schon vor Wochen in den Kopf setzte: meinen MX5 in einer besonderen Art. Es wäre allerdings auch gelogen, wenn ich jetzt behaupten würde, dass die Entscheidung für das Schwarzweißbild einfach so gefallen wäre. Mir fehlte das schöne Rot des Wagens und ich wusste eine ganze Zeit lang nicht, ob das Foto denn nun besser, oder eben doch “zu fremd” wirkte. Und so richtig bin ich da nie zu einem Punkt gekommen...

MX5 im Jahre 1996 auf Diafilm fotografiert

Ganz im Gegensatz zu dem oberen Schwarzweißfoto, hat mich hier der Faktor Farbe besonders gereizt. Ich bin an den Tagen zuvor bereits einige Male an dem Feld vorbeigefahren und beobachtete, wie das Gelb immer intensiver wurde. Da kam mir die Idee, einfach alle vier Farben horizontal aufeinander folgend in einem Bild festzuhalten. So fügte sich der rote Wagen perfekt in das Grün, Gelb und Blau des Bildes ein. Eine kräftige rote Wagenfarbe in einer kräftig bunten Natur...
Was auf den ersten Blick nicht sofort erkennbar ist, aber das Farbenspiel von der perspektivischen Dichte her erhöht, ist der Einsatz eines 200mm Teleobjektivs und der Fotostandort einige Meter vom Auto entfernt auf dem Feld hinter der anderen Straßenseite. So “rücken der Wagen und der Hintergrund näher zusammen”. Um alles aufs Bild zu bekommen, ging ich tief in die Hocke, sonst wäre in der Kombination mit dem Tele vom Himmel nichts mehr zu sehen gewesen.

Hiermit sind wir auch schon bei dem ersten wichtigen
Ralfonso-Tipp zum Thema Autos fotografieren:

Umgebung und Hintergrund beachten und mit Überlegung einbinden

Auf dem Schwarzweißbild des MX5 oben entfällt das Thema Umgebung und Hintergrund beinahe komplett, lediglich von der Straße ist etwas zu sehen. Das Bild “lebt” allerdings auch von dem Wagen selbst, da gehört keine Umgebung rein.
Im oberen Farbbild dagegen lebt das Foto einzig und allein von der farbigen Umgebung. Denk Dir die Landschaft mit den drei Farben einfach weg und stell Dir eine graue Hauswand vor. Ein langweiliges Foto, auf dem ein kleiner roter Roadster zu sehen ist. Nun willst Du Dein Auto aber nicht trist und schon gar nicht vor grauen Hauswänden fotografieren, sondern fährst extra raus ins Grüne, um eine ideale Location für Deine fahrende Pracht zu finden. Das kann bei aller guter Absicht ordentlich nach hinten losgehen, denn Autos haben den recht unangenehmen Effekt, stark zu reflektieren und zu spiegeln. Da passiert es schnell, dass sich der Hintergrund oder die Umgebung so stark im Wagen widerspiegeln, dass der ganze Wagen verfremdet wird:

Oh je, ein Baumauto

Der dunkelblaue Golf wirkt in diesem Beispiel, als ob er einem Airbrusher zum Opfer gefallen ist, der sich mit allerlei Grün blättertechnisch auf ihm verewigt hat. Hinzu kommt die sehr starke Spiegelung in der Frontscheibe, die zumindest durch den Einsatz eines Polfilters hätte weitgehend vermieden werden können. Darum solltest Du kritisch und möglichst objektiv betrachten, was sich da wirklich alles zeigt auf (und natürlich neben) Deinem Wagen. Oft ist man von der schönen Umgebung allzu sehr abgelenkt und empfindet nur subjektiv seinen schönen neuen Wagen im herrlichen Grün stehend. Das Beispiel unten zeigt denselben Wagen ohne Unmengen an Baum und Blättern. Dadurch wird die Farbe des Wagens und letztlich das gesamte Auto natürlicher dargestellt.

Hier passt die Farbe und die Location

Um störende Reflexe auszuschließen, kann auch eine erhöhte Fotoposition und der Einsatz eines Teleobjektivs helfen. Im nächsten Beispiel ging es darum, den Wagen möglichst realistisch abzubilden. Die Fotos wurden gebraucht, um ihn im Internet für den Verkauf bestmöglich darzustellen. Aus der gewählten Perspektive von einem leicht erhöhten Standpunkt ergibt sich eine andere Sicht des Wagens, als man sie gewöhnlich hat (wenn man daneben steht). Generell solltest Du für “Verkaufsfotos” einen besonderen Fokus auf die Farbtreue legen. Autolacke neigen durch ihr Reflexverhalten gerne dazu, auf Fotos ganz anders zu wirken, als sie tatsächlich sind. Hier hilft Dir ein Polfilter, um die Sättigung etwas zu erhöhen und teilweise Reflexe zu minimieren.
 
Aber Vorsicht:
Polfilter funktionieren nur auf nichtmetallischen Oberflächen!

Hier ist “Ausprobieren” angesagt, ob sich eine Wirkung einstellt, Metallic-Lacke enthalten kleinste Metallpartikel, die den Einfluss des Polfilters bis ins Nichts reduzieren können. Auch wirken komplett “weggepolte” Scheiben eines Autos mitunter befremdlich, wenn der Lack dagegen Reflexionen zeigt. Gerade für Verkaufsfotos entsteht schnell der Eindruck, dass hier getrickst wurde, um am Fahrzeug etwas zu vertuschen.

Mit Tele von schräg oben

Besonders bei Verkaufsfotos, solltest Du alle Ansichten (innen und außen) fotografieren. Und das möglichst verzerrungsfrei (also Weitwinkel ist tabu!), scharf (Schärfentiefe beachten, ein Auto kann lang sein...) und farbtreu.

Details sind dagegen nicht nur bei Verkaufsfotos ein spannendes Thema, sondern auch, um die besonderen Merkmale Deines Autos hervorzuheben. Und wie in vielen anderen Bereichen der Fotografie, können Details auch im Bereich der Autofotografie mehr über den Wagen erzählen, als immer nur die komplette Ansicht.

Auch Details haben ihren Reiz Auch Details haben ihren Reiz
Auch Details haben ihren Reiz

Die spannenden Rückleuchten können für sich allein stehend ein tolles Bild abgeben, wie auch Details von den Felgen, der Front oder anderen besonderen Formelementen Deines Autos. Dazu gehört natürlich (und für viele Autofans selbstverständlich) auch das
Cockpit, sprich die Instrumententafel. Bei der Instrumententafel solltest Du im Sucher Deiner Kamera sehr sorgfältig mögliche Spiegelungen beobachten, denn meistens verläuft vor den Instrumenten eine Scheibe, die je nach Lichteinfall sichtbar werden kann.

Profis, die für Autohersteller Hochglanzkataloge produzieren, arbeiten bei ihren Shootings sehr sorgfältig mit dem Thema Licht. Diverse Strahler, Reflektoren, Aufheller oder farbige Flächen (die sich dann gezielt und gewollt im Lack spiegeln) beleuchten den Wagen so speziell, dass genau steuerbare Effekte entstehen. Hierdurch werden teilweise kaum sichtbare Karosserielinien optisch herausgearbeitet und die Linienführung des gesamten Wagens betont. Derartige Ausrüstungen dürftest Du unter normalen Bedingungen kaum vorfinden, daher musst Du Dich mit den vorhandenen Gegebenheiten abfinden. Aber auch die kannst Du gezielt nutzen, oder eben, wie oben beschrieben, unwissentlich ignorieren. Letzteres führt allerdings auch zu Einflüssen auf Dein Autobild.

Gute Bedingungen herrschen im Sonnenlicht, hier musst Du allerdings auf Schattenverteilungen achten. Wenn Du das Licht der Sonne jedoch nutzt, um beispielsweise Chromelemente Deines Wagens zum Strahlen zu bringen, zählt das helle Sonnenlicht ganz klar zu Deinen Foto-Freunden. Auf dem folgenden Foto sind genau diese Reflexe positiv ins Bild integriert. Bereits vor dem Druck auf den Auslöser solltest Du Dir die idealen Perspektiven für Dein Autofoto zurecht gelegt haben. Bei dem abgebildeten EOS ist das ganz eindeutig die markante Frontpartie und fließende Linienführung der Seite. Hier hat sich daraus ableitend eine Frontaufnahme mit Einbeziehung der Seite angeboten, die Chromteile der Front werden durch die Sonnenreflexe optisch betont.

Wenn Du Dich selbst verewigst

Auch hier gibt es Spiegelungen im Lack durch die umgebenden Bäume und Hecken, jedoch unterstützen sie indirekt die zu betonenden Linienführungen des Wagens (siehe Kante auf der Motorhaube, die sonst nicht sichtbar gewesen wäre und die weit hinten abfallende Linie der Seite). Wenn Du bei aller Planung allerdings vergisst, dass auch Du ein Spiegelbild sein könntest, na ja, dann bist Du wohl mit Deinem Wagen nun gemeinsam verewigt... :-)



Wie wäre es denn mit einer kleinen Fotomontage mit Deinem Wagen?

Nehmen wir mal an, Du hast Deinen Wagen frisch gewaschen perfekt fotografiert und entdeckst nachher, dass jede Menge Zeugs drum herum mit auf dem Bild ist (weil Du es während des Shootings ganz einfach nicht beachtet hast?). In dem Fall könnte Dir das Freistellen des Wagens und Montieren in einen anderen Hintergrund zu einem tollen Foto verhelfen. Das kann einerseits so umgesetzt werden, dass man Dir Deinen kleinen optischen Trick gar nicht anmerkt, andererseits aber ganz bewusst zu einer Verfremdung führen. Bei dem Foto unten habe ich eine Vorlage aus der
Digital-Fotogalerie genommen (aus der Serie Egmond aan Zee) und sie mit dem EOS zusammen gebracht. Diverse Umwandlungen in Schwarzweiß und nachträgliches Colorieren führte zu dem leicht unechten Gesamteindruck. Ein paar Stunden mehr Bearbeitungszeit hätten auch die letzten Details ineinander fließen lassen, aber ich denke, als Bildbeispiel und Denkanstoß ist es ausreichend, was ich meine.

Auch Fotomontagen vom neuen Auto machen Spaß

Zusammenfassend solltest Du Dir merken, dass es die Hauptaufgabe ist, irgendwie das Licht und die Reflexionen des Bleches, hervorgerufen durch zahlreiche Wölbungen und Kanten der Karosserie, in den Griff zu bekommen. Die Lichtführung spielt demnach eine ganz entscheidende Rolle, damit es keine Spiegelungen auf dem Lack gibt. Dafür kannst Du auch Blitze und Aufheller einsetzen, die in einem passenden Winkel zum Auto platziert werden, damit das Licht nicht zurück in die Kamera reflektiert wird. Das gilt, wie oben bereits gezeigt, auch für die Wahl der Location, die inhaltlich zum Auto passen muss und nicht “Hauptbestandteil des Lackes” wird...

Sollten Deine Fotos jedoch irgendwie nicht an die “perfekten” Fotos der Hersteller herankommen, dann liegt das immer öfter auch daran, dass Hersteller (bzw. deren Werbeagenturen) ihre Autos nicht mehr fotografieren lassen, sondern dass sie bei speziellen Computer-Design-Agenturen (z.B. http://www.ground-studios.de) im professionellen Blechotto entstehen. Das ist inzwischen günstiger und bietet mehr Möglichkeiten auf die speziellen Wünsche der Autohersteller einzugehen.


Und wenn es dann wieder mal tagelang regnet und Dein Autoshooting unmöglich macht, verkriechst Du Dich auf Tante Gertis Küchentisch und fotografierst Deine kleinen Automodelle. Hier entstehen prinzipiell dieselben Probleme, wie sie auch bei Deinem großen Modell in der Garage auf Dich warten. Wie Du auf dem nachfolgenden Foto deutlich siehst, gibt es gleich eine Sammlung an Problemstellungen: Lichtführung und Reflexe im Lack, Hintergrund und Umgebung (sprich Location) und die Beachtung der Schärfentiefe (vorne scharf, hinten satt raus aus der Schärfenebene).

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