Vieles haette ich verstanden, wenn man es mir nicht erklaert haette

Die förderliche Blende, Schärfentiefe und Beugungsunschärfe

…  ach, jetzt ist Abblenden doch wieder nicht gut?...

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Tante Gerti lernt ja bekanntermaßen eher bockig. Und sie hat es endlich verstanden, eine große Blendenöffnung ist gleich unscharf und eine kleine Blendenöffnung ist knackescharf von vorne bis hinten. Also so, wie sie sich fühlt. Schwache Objektive werden bei kleinen Blendenöffnungen ihre Schwächen los und die Schärfentiefe ist ein Traum.

Apropos Traum: die Realität ist leider anders. Auch nix Neues im Grunde…

Am Weststrand

Nicht immer ist absolute Schärfe alles. Das Spiel mit der Schärfe macht ein Bild erst zu einem besonderen Bild. Hier entstanden die Unschärfen in erster Linie allerdings nicht durch die Wahl der Blende, sondern durch die lange Verschlusszeit. Dadurch wird das Meer verwischt dargestellt.

Die Realität geht so:

Deine Fotos wirken bei Blende f8 deutlich differenzierter, kontrastreicher und schärfer, als bei Blende f22 oder f32. Dabei müssten sie doch viiiiieeeel schärfer sein, schließlich blendest Du doch „perfekt“ ab.

Was vermasselt Dir denn nun den Spaß?

Die Beugungsunschärfe ist es und die braucht eigentlich keiner.
Die Beugung wird hauptsächlich durch den echten Blendendurchmesser beeinflusst. Zur Erinnerung, die Blende wird als Verhältnis der Brennweite zum maximal nutzbaren Linsendurchmesser angegeben (1:3,5 oder 1:8). Die Beugungsunschärfe lässt sich auf die Wellenform des Lichts zurückführen und tritt genau dann auf, wenn Licht durch eine kleine Blendenöffnung (große Blendenzahl wie z.B. f22) hindurch muss. Die geraden Lichtstrahlen werden dann an der Blendenkante abgelenkt und diffus aufgebrochen. Vorstellen kannst Du dir das mit einem Wasserhahn, durch den das Wasser vollaufgedreht ins Waschbecken läuft. Nun setzt Du ein Stück Plastik davor, das nur noch ein ganz kleines Loch in der Mitte hat. Drehst Du nun den Wasserhahn wieder voll auf, tritt das Wasser aufgefächert mit einem Gischt-Wirbel zerstäubt heraus. Der Wasserstrahl ist kein gleichmäßiger Strahl mehr, sondern ein unsauberer Wasserwirbel.
Das passiert mit dem Licht in Deinem Objektiv. Genauso unsauber trifft es dann auf den Sensor. Es sind aber nicht alle Kameras und Objektive gleich stark betroffen, wäre ja auch sonst echt zu einfach.

In Zingst

Auch hier ist es eher das Spiel mit der Schärfe und eine gewollte Unschärfe im Foto, die das Bild ausmacht. Durch die Wahl der offenen Blende verringert sich die Schärfentiefe und die Pollerreihe verläuft zum Horizont hin ins Unscharfe. Der Einsatz einer langen Verschlusszeit lässt zusätzlich die Wellen und das Meer im Vordergrund weich verwischen. Normal belichtet mit durchgängiger Schärfe wäre das Bild recht langweilig und alltäglich geworden. Damit das alles möglich wurde, offene Blende und 3 sec. Verschlusszeit, kam ein Graufilter vor´s Objektiv.

Kleine Objektive in Digitalkameras (mit geringer echter Brennweite, auch die Smartphone-Kameras) sind besonders betroffen, gefolgt von Weitwinkelobjektiven (Teleobjektive haben bauartbedingt deutlich weniger Probleme). Kommt dann noch ein hochauflösender Sensor dazu, der eigentlich alle Details Deines Motives einfangen soll, wird die Sache noch schlimmer. Er "sieht“ auch die feinsten Unschärfen und bildet sie gnadenlos ab. Das erklärt, warum sich in jüngster Zeit immer mehr Vollformat-Fotofans mit dem Problem rumschlagen müssen. Es sind nicht die Sensoren, die schlechter werden, oder die Objektive. Es ist genau umgekehrt. Die immer höhere Detail-Fähigkeit der Sensoren macht die Beugungsunschärfen überhaupt erst sichtbar.

In vielen Digitalkameras werden inzwischen immer höher auflösende Sensoren verbaut, mehr Pixel auf gleicher Fläche. Bedingt durch die kleinere Fläche bei gleichzeitig extrem gesteigerter Detailfähigkeit der Sensoren erreichen manche Digitalkameras ihre maximale Schärfe tatsächlich komplett aufgeblendet! Jede Blende Abblenden verstärkt die Beugungsunschärfe und macht Deine Fotos eher schlechter.

Im Internet findest Du Tools zur Berechnung der Beugungsunschärfe bezogen auf Brennweiten etc. Ebenso findest Du sehr schöne Diagramme und einige Berechnungsformeln.
Die Fotoschule hält davon nicht viel, da es zahlreiche individuelle Faktoren gibt, die eine pauschale Formelberechnung zur reinen Spekulation machen. Wenn Dir an Deinen Fotos noch nie etwas in dieser Richtung aufgefallen ist, dann vergiss das Thema einfach wieder. Hast Du Dich bei manchen Fotos geärgert, dass sie abgeblendet schlechter sind, als bei offener Blende, dann empfiehlt sich eine Testserie. Wie beim Autofahren, ab welcher Drehzahl fängt er an zu dröhnen? Kamera auf´s Stativ, nicht wackeln, ISO fest, AWB aus, alle Blenden durchspielen und gucken. Ab welcher Blende geht es bergab? Aufschreiben und als Grenzwert in der Objektiv-Kamera-Kombi merken. Das gleiche Spielchen mit allen anderen Objektiven im Foto-Fuhrpark.

„Machen“ kannst Du dagegen nichts. Lediglich die kleinen Blenden meiden. Ist es bei dem einen Objektiv die Blende f11, kann es bei Deinem anderen Objektiv durchaus die f22 sein. Jedes Objektiv hat „seine“ optimale Blendenzahl, bei der die maximale Abbildungsschärfe erreicht wird und die Abbildungsleistung am höchsten ist.

Du kannst Dir aber die Frage stellen, warum Du so kleine Blendenöffnungen überhaupt brauchst?
In der Fotoschule habe ich das
Berechnungstool von Dr. Jakob Klein als Download hinterlegt, das Dir bezogen auf die verwendete Brennweite die maximale Schärfentiefe aufzeigt. Das kannst Du nutzen, wenn Du wirklich alles von vorne bis hinten scharf haben musst. Spiel damit mal etwas und Du wirst Dich wundern, was selbst große Blendenöffnungen schon für Schärfentiefen ermöglichen. Oft ist es schlichtweg unnötig, so kleine Blendenöffnungen überhaupt zu nutzen.

Ein häufig in der Landschaftsfotografie verwendetes Weitwinkel mit 28mm Brennweite (entsprechend Kleinbild), auf 5 Meter Entfernung scharf gestellt, erreicht bereits ab Blende f9 eine Schärfentiefe von rund 2,5 Meter bis unendlich. „Mehr“ brauchst Du nicht, es geht kein schärfer, als scharf.

Die förderliche Blende (auch optimale Blende genannt) ist der Kompromiss zwischen Schärfentiefe und Beugungsunschärfe. Abblenden verbessert die Schärfe, weiteres Abblenden verringert die Schärfe!

Vielen Hobby-Handwerkern ist der Baumarktspruch bestimmt bekannt:

„Nach fest kommt ab“

Drehst Du eine Schraube über einen gewissen Punkt hinaus, wird sie nicht fester, sondern reißt ab. Ein bisschen ist es so auch mit dem Abblenden, nach dem Optimal-Punkt reißt die Schärfe ab und wird schlechter.

Fotofan Gerhard hat seine Objektive gleich mal gecheckt:

Gerhard_Dutschke



 

 

 

 

 

 

 


 


So, meine 2 Objektive getestet. Nicht wissenschaftlich. Kamera auf Stativ, Bildstabilisator aus, RAW, alle Blendenstufen durchgemacht, mit der jeweils größten und kleinsten Brennweite, in Lightroom "entwickelt".

APS-C Format, Sony SEL1670Z, Standard-Zoom-Objektiv 16-70 mm, F4. und Sony SEL1018, Super-Weitwinkel-Zoom-Objektiv 10-18 mm, F4.

Mein kurzes, subjektives Fazit:
Ich bin überrascht, das bei dem Weitwinkelzoom schon bei offener Blende eine gute Tiefenschärfe da ist. Ab Blende 5,6 schon sehr gute Tiefenschärfe. Beide Objektive zeichnen sehr scharf. Ab Blende 14 lässt die Schärfe (bei 100% Ansicht) merklich nach. Schöne Sternstrahlen (nennt man das so?) der Sonne bei Gegenlicht bei Blende 8 - 10.

Dank dem Beitrag von Ralfonso habe ich für mich gelernt, dass ich Blende 16 aufwärts nicht brauche und nicht mehr einsetzen werde. Das wusste ich bisher so noch nicht.
 

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