website templates
Mobirise

Fragen am Anfang

... was soll ich kaufen, was fotografieren?  ...


Alles in der digitalen Fotografie wird einfacher und intuitiver. Interessanterweise wird die Unsicherheit, gerade beim Einstieg ins schönste Hobby der Welt, nicht weniger. Kompaktkameras, Spiegelreflexkameras und selbst Smartphonekameras der High End Geräte bieten Dir auf Knopfdruck Dein perfektes Foto auf dem Display an. Sobald Du aber mehr willst als Klick und Fertig, geht es genauso weiter, wie vor Jahren.

Diese Rubrik überschneidet sich mit vielen Themen der Fotoschule, die Du verstreut einzeln und detaillierter nachlesen kannst. Ich greife sie hier jedoch auf, weil sich ein paar Dinge heutzutage "festgesetzt haben" und in vielen Fragen Die Fotoschule erreichen. 

„Hallo, mein Name ist Dominik und meine Kamera sind die Nikon D5, D850 und die D5500. Meine Objektive sind die 3 Standardzooms, also 14-24, 24-70, 70-200 wobei ich zusätzlich zum 14-24 das 15-30 von Tamron habe und einige andere noch. Ich interessiere mich seit 1 Jahr für Fotografie und habe mir in der Ausbildung meinen Traum einer eigenen Kameraausrüstung erfüllt, wofür ich sehr lange gespart habe. Bisher sind die Bilder aus den Kameras nicht gut und ich frage mich, ob Canon doch besser gewesen wäre? Was würdest Du mir empfehlen?“

So startet so manche lange Unterhaltung mit und in der Fotoschule. Kommt Dir das bekannt vor?

An welcher Stelle stehst Du aktuell, auch bei der Unsicherheit die richtige Kameraausrüstung gekauft zu haben, oder jetzt gerade kaufen zu wollen? Oder blickst Du zurück auf diese Zeit, als Du Dich förmlich fixiert hast auf ein bestimmtes Modell und jeden Testbericht auswendig zitieren konntest?

Endlich tolle Fotos machen wie die auf Insta und dafür muss das einfach sein, mit der Investition?

Mobirise

                                                                                                fotografiert von Fotofan Chantal



Ich antworte meistens:

„Zeig mir doch mal ein paar Fotos von Dir.“

Und noch während ich mir das Bild anschaue, höre ich, dass es mit der D850 und dem superlichtstarken 24-70mm fotografiert wurde. Fragen, was der Auslöser für das Foto gewesen war, wie das Licht zu einer anderen Zeit wohl wäre und was die Aussage des Bildes sein soll, stelle ich inzwischen nur noch sehr abwartend. In den letzten Jahren hat sich die „Kritik-Kultur“ arg verändert, was vielleicht etwas mit dem ganzen Like- und Herzchen-Gedönse auf den sozialen Kanälen zu tun haben könnte. Alles wird geliked in der Hoffnung, selbst auch geliked zu werden. Aus der wüsten Likerei entsteht natürlich nichts Konstruktives und es bringt Dich letztlich auch keinen Meter voran mit Deinen Fotos.

Andererseits ist man dieses Weichspülen nun als Standard gewohnt und da wird eine einfache Frage bereits als ein verkappter Vorwurf verstanden. Schließlich kann das ja gar nicht sein, da Du doch bereits alles für ein gutes und aussagekräftiges Bild mitgebracht hast: die teure Kamera samt Objektiv. Es scheint auch irritierend zu sein, wenn ich gar nicht nach der Kamera frage. Dann gibt’s die Nennung des Herstellers und der Type trotzdem, egal ob ich will oder nicht. 

Mobirise

Die Sächsische Schweiz im morgendlichen Nebel

Bei diesem Foto entscheidet nicht die Kamera, sondern der Zeitpunkt. Fotofan Enrico hat sich morgens die Mühe gemacht und seine Kamera im Morgennebel zur Hand genommen. Er wollte das faszinierende Licht festhalten, das nur wenige Minuten morgens nach dem Sonnenaufgang genau so erscheint. Die verdichtende Wirkung der Hügel und Berge erreichte er durch den Einsatz des Teleobjektivs. Diesen Tele-typischen optischen Effekt bekommst Du nur mit "echten" Brennweiten und nicht per Digitalausschnitt im Bildprogramm. Anders ausgedrückt, ein Digital-Zoom hilft Dir hier nicht. Den Nebeleffekt als solches könntest Du jedoch auch mit anderen Brennweiten erreichen. 

Umgekehrt kommt es auch schonmal zu solchen Kommentaren auf meine Fotos:

„So eine Kamera hätte ich auch gerne, die solche Fotos macht!“ Da habe ich dann oft Spaß, wenn ich als Kamera das iPhone nenne. Oder meine inzwischen über 10 Jahre alte Alpha 65. Manchmal habe ich auch gar keine Antwort, mit welcher Kamera ich denn das Bild fotografiert habe. Ich glaube ja inzwischen wirklich, das führt zur Abwertung bei den betreffenden Leutchen, wenn ich es entweder nicht mehr weiß oder es kein sündhaft teurer Vollformat-Bolide war. Das kann dann ja nichts sein mit dem ollen Ralfonso und seiner Fotoschule. Denn nur eine Tippi-Toppi-Vollformat-DSLR macht so gute Fotos, wie professionelle Fotografen…, quasi geht es damit scheinbar automatisch.


Ein Beispiel, Dir vielleicht bekannt an anderer Stelle der Fotoschule:

Du gehst gerne bei Giacomo Prosciutto (sprich Dschahkohmooh Prohschuttoooh), Deinem Lieblings-Italiener unten an der Ecke, lecker Tortellini a la Panna im toskanisch romantischen Restaurantgarten essen. Seine Tortellinis sind die Besten, die Du jemals gegessen hast und wenn Du Freunde zu Besuch hast, nimmst Du sie immer gerne mit zu ihm, damit sie Deine Begeisterung teilen können. Bist Du jemals schon auf die Idee gekommen, Giacomo Prosciutto zu fragen, welche Töpfe er zum Kochen seiner Tortellinis benutzt?

Ich denke mal, Du grinst jetzt.

Absurd, oder?

Es sind doch nicht die Töpfe, die er benutzt um seine Tortellinis so unglaublich einzigartig werden zu lassen. Die Töpfe sind doch nur das Handwerkszeug eines Koches.

Und dann soll das Handwerkzeugs eines Fotografen “automatisch” unglaublich einzigartige Fotografien herbeizaubern...?

Ganz sicher nicht.

Wenn Du Dich innerlich dem Punkt näherst, dass Du und nur Du das Foto „machst“ und alles drumherum Dein Handwerkszeug dafür ist, kannst Du Dir die endlosen Diskussionsrunden a la „Ist die Vollformatkamera wirklich die Vollendung Deiner Fotokarriere und das einzig Wahre (immerhin sind zweimal „Voll“ drin, das heißt ja was…)?“ ersparen. Wenn es die Vollformat nicht sein sollte, kannst Du gleich zwei weitere arg strapazierte Bereiche direkt links liegen lassen: „Ist die Canon die beste Kamera, oder die Nikon, die Sony, die Pentax, die Panasonic? Und wenn ja oder nicht, dann mit wie vielen Pixelchen, sorry Megapixelchen?“
Tante Gerti zählt ja zu Hause auch immer die Borsten ihrer Bürste, dann muss da doch was dran sein. Mehr Borsten heißt eindeutig die bessere Frisur. Siehst Du ja bestätigt durch Tante Gerti. Also Pixelchen müssen her.

Und dann natürlich auch beliebt: „Wie hoch kann ich die ziehen, bis sie rauscht?“. Gemeint ist, Du ahnst es schon, der ISO-Wert. Manchen reicht ihr Nacht-taugliches Fernglas nicht mehr, die brauchen ein militärisches Nachtsichtgerät. Das soll dann stockdüstere Nacht in Tageslicht umwandeln. Ein lustiges Gimmick, nur sehen die Fotos dann eben nicht mehr nach Nachtaufnahmen aus, wenn der Himmel taghell wie Mittwochnachmittag rüberkommt.  

Und nein, ein richtig gutes Foto muss nicht zwangsläufig original und unbearbeitet aus der Kamera kommen. Bildbearbeitungen gab es schon immer, ja auch damals in der Dunkelkammer. Auch hier gibt es kein pauschales Ja oder Nein. 

Und ebenfalls nein, es stimmt nicht, dass die Kamera vollkommen egal ist. Gutes Werkzeug ist in allen Bereichen die halbe Miete. Und mit gutem Werkzeug machts gleich doppelt so viel Spaß zu werkeln.  

Mobirise

Die Tiefe der Schärfe

Das Spiel mit der Schärfentiefe (sich wichtig nehmende Fotografen würden sagen: das bewusste Gestalten des Bildes durch Einsatz der Schärfenzonen im Rahmen des erzielbaren Bokehs...) gelingt Dir nur mit größeren Bildsensoren. Smartphones generieren zwar eine software-programmierte "Portrait-Hintergrundunschärfe", aber die lässt sich wenig beeinflussen. Echte Schärfentiefe gibts mit einer DSLR und mittlerer bis "langer" Optik, sowie großer Blendenöffnung. Das ist physikalisch nun mal so; dazu findest Du in der Fotoschule einige Rubriken, wenn Du Dich darin vertiefen möchtest. Fotofan Chantal meint dazu:" Das Objektiv ist ein Samyang 85 mm, mit Blende 1.4 geknipst! 😉 Ich liebe dieses Objektiv." 

Wie kommst Du nun zu besseren Fotos, zu guten Fotos, zu echten Krachern? Was für einen Betrag musst Du dafür durchschnittlich rechnen?


Nehmen wir mal Dominik als typisches Beispiel. Drei Top-Kameras und vier Top-Objektive, ein Jahr Fotoerfahrung und einen ganzen Koffer voll Unsicherheit.

Wenn Die Fotoschule Dominik rät, den ganzen Krempel zu Hause zu lassen und stattdessen nur seine D5 und das 15-30mm zu nehmen, kannst Du Dir seine ungläubigen Augen sicher gut vorstellen. Schließlich will er doch wissen, was er noch alles kaufen soll, um gute Fotos zu erhalten. Eine vierte oder fünfte Kamera und noch vier weitere Objektive mindestens. Stattdessen soll er das alles nicht benutzen, was er doch extra fleißig gekauft hat und nichts weiter investieren…? 

Jau.

Wenn sich ein Fotofan mit dem Wunsch an Die Fotoschule wandte, bessere Fotos oder auch endlich mal gute Fotos fotografieren zu können, habe ich noch nie den Rat geben müssen, er brauche eine neue oder weitere Kamera. Der Weg dahin ist ein ganz anderer, was Du an sehr vielen Stellen der Fotoschule bereits gelesen haben wirst. In der Rubrik „GAS oder besser FAS“ … Das Fotoausrüstungs Erwerb Syndrom… habe ich mich speziell mit dem Problem befasst, wenn das Kaufen von neuer Foto-Ausrüstung quasi zum Selbstläufer wird. Darum möchte ich Dir auch hier einen schönen Tipp geben, der schon so vielen Fotofans zum Einstieg und im weiteren Verlauf der Foto-Karriere geholfen hat. 

Warum soll Dominik nur seine D5 und das kleine Zoom nehmen?

Eine große und umfangreiche Fotoausrüstung bringt Dir jede Menge Möglichkeiten, die Du nutzen kannst. Wenn Du es kannst. Gerade in den ersten Jahren endet das jedoch schnell in einem gewissen Chaos. Du verlierst den Blick aufs Wesentliche, verhedderst Dich im Auswählen der perfekten Brennweite oder Kamera und Deine Kreativität sinkt wie die Aktienkurse.

Ein richtig gutes Foto entsteht zeitlich kurz vor dem Einsatz Deiner Kamera in Deinem Kopf. Du siehst ein mögliches Motiv, überlegst wie es als Foto werden könnte und setzt dann Deine Kamera bewusst dafür ein. Das gilt logischerweise nicht pauschal für alle Felder der Fotografie, ist aber in den allermeisten „Fotografie-Abläufen“ so. Damals zu analogen Zeiten war das bei vielen Fotofans ohnehin ein Standard, wenn auch getrieben von anderen Mechanismen. Der Film kostete Geld, die Entwicklung, das fertige Foto. Da hat man sich bewusster überlegt, was man wie fotografiert, damit „es was wird“ und nicht wieder 79 Pfennig in den Sand setzte. Durch die Smartphonefotografie, wie sie von den meisten Nutzern betrieben wird, ist es ein unüberlegtes Draufhalten mit vier, fünf Auslösungen hintereinander. Sind die Fotos nichtssagend (was meistens nicht anders zu erwarten war), dann taugt die Kamera im Smartphone nichts, oder es sei eben ein „mit dem Handy geknipstes Bild“.

Wenn Du Dich mit der Fotografie etwas intensiver beschäftigt hast, wirst Du schnell zu dem Ergebnis kommen, dass es gar nicht die Kamera des Smartphones gewesen sein kann, denn die ist technisch inzwischen vom feinsten ausgestattet. Da stecken richtig gute Kameras drin, die aber dilettantisch bedient werden. Wenn jedoch die Masse auf Facebook die Meinung vertritt, Smartphone-Fotos sind eben schlecht geknipste Smartphone-Fotos, dann ist so eine Pauschalaussage in den heutigen Zeiten ganz schnell die festgelegte Wahrheit; wie in so vielen anderen Bereichen des Lebens.

Das ist auch der Grund, warum ich Dominik nicht rate, sein iPhone 13 Pro als Kamera einzusetzen und die ganzen anderen Kameras und Objektive vorerst zu Hause zu lassen. Dominik würde mit seiner vorgefassten Meinung dem Ratschlag der Fotoschule niemals glauben, dass er mit seinem gezielt als Kamera eingesetzten iPhones weitaus bessere Fotos erzielen würde. Wenn Du als mögliche Motive zu Beginn normales Licht voraussetzt, was bei Landschaftsaufnahmen, im Urlaub, Architekturfotos etc. in der Regel vorhanden ist, deckt sich die sichtbare Qualität der D5 mit dem 15-30mm und der des iPhones. Beide Kameras „können“ das gleiche.

Wie könnte dann ein Fotografieren aussehen? So beschränkt in der Vielfalt?

Wir waren vorhin hier:
Du siehst ein Motiv und überlegst, wie ein mögliches Foto aussehen könnte. Dominik würde jetzt vielleicht denken: „wenn ich doch jetzt nur mein Tele-Zoom hätte, dann könnte ich das so oder so heranzoomen und das geht jetzt nicht…“. Die effektivere Frage wäre aber: „was muss ich tun, damit ich meine Foto-Idee mit dem vorhandenen Equipment so umsetzen kann, wie ich es möchte?“

Genau hier ist seine Kreativität gefragt. Anstatt heranzuzoomen braucht er nur ein paar Meter in Richtung des Motivs zu gehen. Das wäre eine Idee. Vielleicht ergibt sich aber aus der Reduzierung aufs Wesentliche ein kreatives Weiterdenken, ein geistiges Auseinandersetzen mit dem Motiv. Wie kann ich es durch Verändern des Fotostandpunktes, durch das Einbeziehen bisher übersehener Details oder dem geschickteren Einsetzen des vorhandenen Lichtes mit den Möglichkeiten der Ausrüstung ein eventuell noch schöneres Bild gestalten?

Das entscheidende ist, Du wirst Dich durch die vorgegebene Einschränkung der Fotoausrüstung primär mit dem Motiv auseinandersetzen und nicht damit beschäftigen, welches Objektiv mit welcher Kamera Du aus der Fototasche kramst.

Dieser Tipp ist an anderen Stellen der Fotoschule ebenso zu finden und er richtet sich nicht nur an Foto-Frischlinge. Wenn Du schon ein Fotofan mit einigen Jahren Fotoerfahrung auf dem Buckel bist, kann Dir so eine „Ausrüstungs-Diät“ zu neuer Kreativität verhelfen (das kann auch eine Festbrennweite oder nur das Tele sein). Ganz gleich was Du gerade für eine Kamera (-ausrüstung) dabei hast (idealerweise die, mit der Du dich am wohlsten fühlst und die Dir blind in den Händen liegt), es zählt nur was Du damit umsetzen kannst und heraus kitzelst. Begrenze Dich einfach mal, für eine Foto-Tour, für einen ganzen Urlaub, für einen Monat oder sogar für ein ganzes Fotojahr. Und schau Dir nachher an, ob Deinen Fotos tatsächlich etwas fehlt.

Ich kann Dir die Antwort schon geben…


Mobirise

Zu Beginn der Blauen Stunde

"Die paar Minuten danach" sind meistens ein Garant für intensive und farbenprächtige Landschaftsfotos zu später Stunde. Fotofan Chantal ist ein großer Fan der Wetterfotografie und hat schon diverse Fotos in Magazinen und auf (Wetter-) Portalen veröffentlichen können. Sie wird dann regelmäßig nach ihrem Geheimnis gefragt, wie sie es schafft, so eindrucksvolle Farben des Himmels zu zaubern. Ihre Antwort ist simpel: "man muss nur die Bereitschaft haben, da zu sein und zu bleiben. Wenn alle nach dem Sonnenuntergang wieder gehen, bleibe ich eine Stunde länger und bekomme die schönsten Fotos zur Blauen Stunde." 

Neben diesem ersten Tipp, den Du auch „Simplify your Foto-Life“ nennen könntest, folgt der in heutigen Zeiten immer wichtiger werdende Tipp: 

Fotografiere für Dich!

Vor ein paar Tagen meinte ein Fotofan zu den Fotos auf Instagram, Facebook und der Fotocommunity: „egal was hier gezeigt wird, ich finde es einschüchternd. Das ist in etwa so, als ob die anatomische Zeichnungen machen und ich bei Strichmännchen verharre. Es ist wie Jugend forscht vs. Bayer.“

Lass Dich nicht entmutigen, sieh es als Inspiration was da so an Fotos gezeigt wird. "Jugend forscht vs Bayer" geht mir mit vielen Fotos auf Facebook und Instagram oft ganz genauso, bei denen ich mich frage: Junge, Junge, das ist mal ein Foto, hättest Du das selber wohl jemals so gesehen und hinbekommen...?
Ich habe im Laufe der Jahre die Erfahrung gemacht, dass es das Anschauen, aber auch das Abschauen ist, was einen selbst weiterkommen lässt. Sehe ich perfekte Sternenfotos sage ich mir: okay, ein Teleskop hast Du nicht und wirst Dir auch keins holen, so bleiben die Sterne bei der Fotografin auf Insta.

Wenn anstelle der Ermunterung, Inspiration und Lust was auszuprobieren stattdessen Einschüchterung, Entmutigung und Zurückziehen entsteht, ist das ein fatal falscher Weg. Die Fotografen dort hatten wie Du einen Tag im Leben gehabt, als sie das erste Mal eine Kamera in den Händen hielten und sich fragten, ob da jemals was Brauchbares rauskommt. Und wenn Dir einer seine ganzen aussortierten Fotos von der letzten Fototour zeigen würde, dann wirst Du staunen, wieviel Müll da nach Hause geschleppt wurde.  10 richtig gute Fotos im Jahr, dann liegst Du schon weit über dem Durchschnitt. Die Realität sind endlos Fotos, die "nichts geworden sind". Zeigen wird jeder (jede auch) nur seine Highlights.

Egal wer wo steht mit seinen Fotos, keiner ist besser oder schlechter. Nur ein paar Erfahrungen und ein oft frustiger Weg liegen dazwischen; das kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen. Und manchmal auch ein teurer, wenn man auf dem Trip ist, dass nur neues Equipment einen weiterbringt. Bis man checkt, das ist nicht der Weg... 


Wenn Du Dir die Fotos in den besagten Medien anschaust, wird Dir auffallen, dass Du überwiegend Bilder zu sehen bekommst, die farblich bombastisch sind und Lichtverhältnisse zeigen, die Du in Deinem Leben vielleicht einmal real gesehen hast. Dazu gesellen sich Fotos, die Landschaften, Pflanzen, Tiere, Bauwerke, was auch immer in absoluter Perfektion zeigen.
Fotos, die so ganz normal aussehen, wie Deine nach einem nachmittäglichen Ausflug in die Natur, sind irgendwie gar nicht mehr dabei.


Mag das daran liegen, dass Du so schlecht fotografierst? Bist Du so einfallslos? 

Nein!

Das ist es in der Regel nicht. Wenn Du die Grundprinzipien der Fotografie anwenden kannst, ist das, was Du da auf Deiner Speicherkarte hast, ganz normal. Bei Instagram und Co. passiert was ganz anderes. Einerseits bekommst Du durch ausgeklügelte Algorithmen der Anbieter immer wieder das in der Timeline angezeigt, für das Du zuvor Interesse aufgebracht hast. Sind das Fotos der 10.000+ Likes-Kategorie, dann werden bei Deinen nächsten Besuchen auf Facebook und Insta immer mehr solcher Fotos scheinbar zufällig gezeigt. Das nimmst Du beim Durchscrollen allerdings nicht bewusst wahr und hast stattdessen das Gefühl, dass der Standard beim Fotografieren eben dieser ist, den Du dort siehst. Was er aber eben real nicht ist. Es entsteht eine vergleichbare Blase in der Du gefangen bist, ohne es zu merken und bewusst ausgewählt zu haben, wie so manche Verschwörungstheoretiker, die nur noch ihrer Meinung entsprechend neues Material präsentiert bekommen. Die Masse machts dann, dass Du überzeugt bist; wenn doch alle das sagen oder in Deinem Fall, alle Fotos so toll sind (nur nicht Deine…). 


Der zweite sehr entscheidende Punkt ist das Aufbrezeln von Fotos. Dinge, die vor Jahren nur Wunschdenken waren oder bestenfalls mit enormen manuellen Nachbearbeitungsaufwand zu erreichen waren, gibt’s heute in den Bildprogrammen als Presets. Der Himmel ist langweilig und unspektakulär? Dann wird er ausgetauscht gegen einen Himmel, der nun ein ganz neues Bild entstehen lässt. Dunkle Bereiche im Bild, zu helle Lichter, fade Farben oder störende Elemente? Schwups, ein Klick und alles strahlt perfekt im schönsten Kleid. Immer häufiger werden KI-gestützte Automatismen eingesetzt, die Dir Dein Foto schön schwurbeln. Vermutlich erkennt der Fotograf seine eigenen Bilder (oder vielmehr das, was davon noch übrig geblieben ist) nicht mehr wieder. In den Fotogruppen der Social Media werden sie jedoch gefeiert und heimsen Tausende Herzchen und Likes ein.


Es lässt sich endlos darüber diskutieren, ob das okay ist, was man verändern darf oder nicht. Das ist jedoch nicht unser Thema hier. Unser Thema ist es, wie solche Bilder in der Vielzahl auf Dich als Fotofan wirken und vor allen Dingen, was sie bewirken. Wenn Du nicht sehr kritisch und innerlich distanziert an die Betrachtung gehst, legt Dein unterbewusstes Foto-Auge die Messlatte für Dich mit jedem Bild ein paar Zentimeter höher. Das Glauben an Dein eigenes Können verliert an Gewicht und die Freude weiter zu fotografieren schwindet. Versuche stattdessen Dein fotografisches Umfeld mit Fotofans zu besetzen, die einfach Spaß haben, zu fotografieren. Normale Fotos, natürlich auch das eine oder andere Highlight der Foto-Tour voller Freude und Stolz zeigen und es als normal ansehen, 90% der Fotos nach der Tour in den Ordner namens B-Sortierung zu verschieben. Tausche Dich aus, frage einen guten Fotofreund nach seiner Meinung zu Deinem Bild, was Du anders machen könntest. Was hast Du nicht beachtet, was geht anders besser, welche Nuancen werten Dein Foto ab? So ein Weg ist produktiv, wenn Du die entgegengebrachte Kritik nutzt, um gewisse Fehler in der Zukunft zu vermeiden.
Und ganz wichtig bei alledem: fotografier für Dich! Dir muss Dein Bild gefallen, tut es das nicht, dann suche nach den Ursachen. Fotografiere nicht für Likes und Lob, aus der Spirale kommst Du nicht mehr raus. Kurz vor dem Komplettausstieg aus der Fotografie kommt der krampfhafte Versuch, alles Mögliche zu unternehmen, damit Du es endlich allen recht machst. Was Dir nicht gelingen wird.

Vielleicht sind die Vergleiche schon recht abgenutzt, aber viele der ganz großen Musik-Stars und Bands starteten damit, Musik zu machen, weil sie die Musik liebten. Sie spielten aus der Freude heraus und sie spielten ihre Musik. Weil sie ihnen gefiel und das war gut so, genug und oft schon schwer genug. Der Erfolg stellte sich ein, weil sie damit vielleicht andere Menschen begeistern konnten. Viele Bands zerfielen, weil sie dann begannen, Musik für die anderen zu machen, es ihnen recht zu machen. Um wieder Erfolge zu produzieren, aber nicht mehr um ihr eigenes Ding zu machen. Sie verloren beides, den Erfolg und die Freude an ihrer Musik.  

Nun will ich Die Fotoschule beileibe nicht auf eine Stufe mit erfolgreichen Bands stellen, aber es war sehr ähnlich. Ich begann 1999 damit, weil ich in den vielen Jahren vorher im alten Jahrtausend nirgendwo „vernünftige“, anregende, motivierende und leicht geschriebene Literatur zur Fotografie fand (kennst Du ja alles aus der History der Fotoschule). Ich habe dann begonnen, eine Fotoschule zu schreiben, wie ich sie gerne damals gehabt hätte. Eine Lektüre, die mich anstachelt zu fotografieren, die meine Kreativität kitzelt und mir Mut macht. Und mir gleichzeitig meine Fotografie so lässt, wie ich sie liebe und mich nicht versucht zu maßregeln oder zu verbiegen. Dass es irgendwann mal über 20 Millionen Besucher werden sollten, war nie geplant. Ich nutze keine Cookies, keine Analytics-Tools um die bevorzugten Themen zu identifizieren und daraus Schwerpunkte zu generieren. Aus einem Grund: ich will nicht für die jeweils herrschenden Top-Themen schreiben, um möglichst viele weitere Besuche zu bekommen. Ich will meine Fotoschule fortführen, so wie sie sein sollte, für mich. Diverse Foto-Firmen fragten im Laufe der vielen Jahre an, Die Fotoschule auf deren Produkte umzuschreiben und lukrativ zu machen. Vielleicht hätte das geklappt, oder nicht. Ich würde dann aber nicht mehr das schreiben können, was ich möchte, sondern das, was mein Auftraggeber meint lesen zu wollen. 

Darum nochmal: mach Dein Ding! Fotografiere für Dich!

Wenn es dann anderen gefällt, ist doch alles prima. Und wenn nicht? Ganz einfach egal!


Mobirise

                                                                                        Franz fotografiert von Fotofan Jan






Schlechtes Licht – Kein Motiv – Zu Hause ist alles doof

Die drei Argumente, warum das mit der Fotografiererei mal wieder nichts wird, fallen in vielen Gesprächen oder Emails an Die Fotoschule gemeinsam. Aber auch einzeln. Ich tippe mal, das kennst Du.

„Da, wo ich wohne, gibt es nichts, was ich fotografieren könnte.“
„Ich muss erst in Urlaub fahren, um schöne Motive zu haben.“
„Bei dem Licht lasse ich die Kamera gleich im Schrank.“

Da, wo Du wohnst, gibt es vielleicht (na, ich denke eher, sehr wahrscheinlich) ein Hotel, eine Pension und eine Tourist-Info. Vermutlich sogar Besucher aus anderen Gegenden, am Wochenende fallen sie mit ihren eBikes inzwischen wieder mehr auf.
Warum kommen die wohl und was machen die bei Dir, da wo Du wohnst?
Wenn Dich jemand von denen fragt, was Du ihnen als Ortskundiger an Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten empfehlen könntest, was würdest Du Ihnen für Tipps geben? Zu fotografieren gibt’s ja nichts, zu Hause ist ja alles doof. Und die machen das trotzdem, stehen mit ihrer Kamera an der alten Brücke am Fluss, auf dem Marktplatz und am Museums-Garten.

Du nicht.

Dein letzter Wochenendausflug war richtig nett, viel Wellness, lange spazieren, Radfahren konnte man da ebenfalls super und abends in der Altstadt gemütlich draußen in den Cafés und Restaurants sitzen und die Zeit genießen. Zu fotografieren gabs da aber nichts, hast Du schnell festgestellt. Nicht ein Motiv gab es. Die Kamera hast Du wieder vergeblich eingepackt. Na ja, nach zwei Tagen hast Du sie dann komplett auf dem Zimmer gelassen, da Du bereits wusstest, dass es keine Motive gibt.
Es hat Dir aber alles so gut gefallen, dass Du Deinen Ausflugsgeheimtipp direkt Deiner besten Freundin weitergegeben hast und sie ist einen Monat drauf auch dorthin. Sie war nicht minder begeistert und hat ihre Zeit dort in vollen Zügen genossen. Und das Beste: sie konnte sich vor lauter Motiven gar nicht recht entscheiden, was sie zuerst fotografieren sollte. Nun sucht sie Deinen Rat, welche Fotos sie für ihre Foto-Homepage zum Reisebericht aussortieren muss, weil es sonst zu viele werden. Du kommst aus dem Staunen gar nicht mehr raus und alles was Du sagen kannst, ist: „ich hätte nie geglaubt, dass wir beide am gleichen Ort waren…!“ Wie geht das, dass sie vor lauter tollen Fotos sogar welche aussortieren muss und

Du nicht.

Nebel, alles grau in grau, heute ist so ein Tag, an dem es gar nicht erst hell werden will. Und am späten Nachmittag dann auch noch Gewitter. „Das ist kein Wetter zum Fotografieren, bei so einem Licht geht da gar nichts…“ denkst Du und packst Deine Fototasche in den Schrank. Die Fotofans Chantal und Enrico aus der WhatsApp-Fotogruppe der Fotoschule warten genau auf so ein Licht, um richtig loslegen zu können. Da kann es gar nicht nebelig genug sein und wenn der Himmel sich für das nächste Blitz-Spektakel wappnet, schlägt Chantals Fotoherz Kapriolen. Beide bannen die stimmungsvollsten Aufnahmen auf der Karte.

Du nicht.

Das ist sehr schade, denn alle drei genannten Argumente „zählen nicht“. Bleiben wir beim letzten Beispiel, es gibt kein zu schlechtes Licht. Kein Licht ist für sich gesehen gutes Licht oder schlechtes Licht. Es gibt Licht, auch abends. Mal ist es wenig Licht, mal ist es viel Licht, zudem auch hartes oder weiches Licht und das noch in allen Farbabstufungen und Intensitäten. Genau dafür hast Du eine Belichtungssteuerung an Deiner Kamera, einen ISO-Wert, den Du manuell beeinflussen kannst und in ganz besonderen Fällen auch noch einen Blitz. Hier meine ich, wie Du als Fotofan der Fotoschule weißt, nicht den Platsch-von-vorne-Kamerablitz, sondern einen systemgesteuerten abnehmbaren und frei positionierbaren Blitz. Es gibt auch kleine LED-Taschenlampen, Straßenlaternen, generell künstliche Beleuchtungen und viele Lichtquellen mehr, die auf ihren Fotoeinsatz für Dein perfektes Foto warten.

Mobirise

                                                                                    fotografiert von Fotofan Chantal




„Zu Hause gibt es nichts zu fotografieren“ und „hier gibt es keine Motive“ hängen in gewisser Weise zusammen. Im gewohnten und wiederkehrenden Umfeld, das Dir kaum neue Impulse durch frische Entdeckungen gibt, setzt das fotografische Auge schnell komplett aus. Es ist der Alltag, der Dich fotoblind werden lässt.

Nimm die Leute, die in Deinem Lieblingsurlaubsort direkt an der See wohnen, dort vielleicht geboren sind. Du bist elf Monate des Jahres aus dem Häuschen, bald (in nur noch 261 Tagen) endlich wieder ans Meer zu kommen und brauchst nach Deiner Ankunft im Feriendomizil keine halbe Stunde, um zuerst mal an den Strand zu gehen. Fragst Du Deine hier lebenden Ferienwohnungsvermieter, wann sie heute am Strand waren, erfährst Du möglicherweise, dass sie es in diesem Jahr noch nicht „geschafft haben“. Und es ist Juli! Für sie ist das Meer nun mal da, der Strand, die Möwen, die Wellen. „Da geht man nicht jeden Tag hin um zu gucken.“
Du schleppst nach Deinem Urlaub 147 unterschiedliche Strandfotos mit nach Hause, Deine Vermieter sagen Dir: „och immer nur den Strand zu fotografieren, das ist ja langweilig, da sieht ja ein Bild, wie das andere aus. Das machen wir schon lange nicht mehr.“


Nimm Deine Kamera und fotografiere Deine Stadt, Dein Zuhause, Deine Heimat mit den Augen und der Euphorie, als würdest Du hier ein fremder Besucher sein. Porträtiere Dein Zuhause, suche nach Motiven, nach Einstellungen, nach der perfekten Uhrzeit für bestes Licht. Du hast den Heimvorteil, denn Du weißt, wann hier was besonders gut wirkt.


Und zum Thema „hier gibt’s keine Motive“:

streng Dich an. Jetzt erst recht.

Schau Dir alles an, was Du siehst. Nimm es wahr und bewerte es kritisch vor Deinem offenen Foto-Auge. So manches Motiv will entdeckt werden und zeigt sich erst beim Blick zurück von der anderen Seite, wenn Du schon vorbeigegangen bist. Viele Motive finden sich im Detail, die Kirche als ganzes Gebäude in dem Ort, den Du gerade besuchst mag langweilig ausschauen. Die alte hölzerne Tür, der schön gestaltet Nebenflügel oder auch der fast vergessene Friedhof direkt im Anschluss könnten Deine Motive sein. Je schlechter Dein empfundenes Motiv-Vorhandensein in Dir aufkeimt, umso mehr solltest Du versuchen „jetzt erst recht“ was ganz Besonderes daraus zu machen. Suche das, was es ausmachen könnte, entdecke das, an dem andere unbeachtet vorbeigehen (und erst stehenbleiben, wenn sie neugierig gucken, was Du denn wohl fotografierst, um es Dir nachzumachen…), suche und spiele mit den Formen und Farben.

Das kannst Du üben und Du wirst Dich wundern, was Du bei Deinen nächsten Foto-Touren so alles wahrnimmst. Wie gesagt, es ist oft das Umdrehen, manches wirkt aus einer anderen Perspektive perfekt. Und um Dich umdrehen zu können, musst Du Dich bewegen. Erlaufe Deine fotografierbare Welt, mit den Füßen und nicht mit dem Zoom (und solltest Du im Rollstuhl sitzend fotografieren, gilt dasselbe).


Mobirise

Greta von Fley

Manchmal ist es das schnelle Reagieren, um ein Motiv einzufangen, das nur Sekunden so vorhanden ist. Greta ist ein Deutsch Kurzhaar Jagdhund, ein Vorsteherhund. Durch das Vorstehen signalisieren sie dem Jäger, dass sie etwas gewittert haben. Manche Vorsteherhunde verbleiben einen Moment in dieser Position, andere bewegen sich. 

Viele Fotofans versuchen alles, damit ihre Bilder ebenso einzigartige Farben, Kontraste, Lichtführungen und Stimmungen zeigen, wie die getricksten Vorlagen auf Insta. Manche bemerken dabei jedoch nicht mehr, dass sie mit ihren Fotos zwar mehr Klicks, Likes und Herzchen in den Social Media einheimsen, ihre Fotografien aber zunehmend unechter wahrgenommen werden.

Ein Beispiel:

Tante Gerti möchte gerne eure Ferienwohnung auf Amrum gewinnbringender auf allen möglichen Portalen zur Ferienunterkunftsvermittlung platzieren und schreibt schon fleißig neue Texte. Auch wenn ihr das Denken häufig schwerfällt, weiß sie, dass aussagekräftige Fotos ein solches Mietobjekt primär verkaufen. Die meisten Interessenten gucken sich erst die Bilder an und lesen im zweiten Stepp gegebenenfalls noch den Text; sofern dann noch Interesse besteht. 

Da Du derlei Situationen bereits nur zu gut kennst, wird gleich wieder die Frage von ihr kommen, ob Du fotografieren könntest und Du hängst wieder drin in der Verpflichtung, als toller Fotograf einzuspringen. Umso mehr verwundert es Dich, dass Tante Gerti rein gar keine Anzeichen macht, Dich zu fragen. Das lässt Dich den ersten Schritt gehen und Du fragst beiläufig, wer denn fotografieren soll? 

Zu Deiner Verwunderung bist Du es nicht. 


Tante Gerti meint, Deine Bilder sehen ja immer super toll aus, aber sie braucht für das Inserat „richtige und echte“ Fotos. Auf Deine Nachfrage, was sie damit meinen könnte, erfährst Du von ihr, dass Deine Fotos offensichtlich bearbeitet und gepusht wurden. Was ja auch ganz schön aussieht, aber eben unecht ist und im echten Leben so kaum vorkommt. Deine leuchtenden Himmel zum Abendrot, die saftigen Wiesen, nachts wunderschön beleuchteten Gassen in den Altstädten der Urlaubsorte; alles das sei einzigartig schön, aber eben unübersehbar unecht. Für die Ferienwohnung brauche sie zwar sehr gute Fotos, aber eben welche, die das Abgebildete sichtbar echt zeigen. Das schöne große Wohnzimmer hat eine breite verglaste Terrassenfront, durch die viel Licht in den Raum fällt. Aber der Raum wird zur gegenüberliegenden Seite hin deutlich dunkler und das soll man auch sehen, weil es so ist. Du würdest mit Deinem HDR-Zeugs einen Raum hinbrezeln, der überall topausgeleuchtet, gleichbleibend hell und letztlich unecht sei. Sie wolle auch keinen leuchtenden Teppich und maximal gesättigte Polstermöbel, sondern den Boden und die Möbel so, wie sie sind. Nicht schlechter, aber auch nicht künstlich unecht. Das gibt im Nachhinein nur Ärger mit den Feriengästen, meint sie.


Bam! Das sitzt. 


Und wenn Du ehrlich drüber nachdenkst, wärst Du genau den von Tante Gerti beschriebenen Weg wieder gegangen. Du hättest überlegt, wie Du die Decken noch weißer und die Schatten heller abbilden könntest. 


Auch hier wurde ganz auf Filter verzichtet,  das schöne Motiv spricht für sich selbst. 

Mobirise
Mobirise

Ein ganz normales schönes Foto

Fotofan Markus schreibt zu seinem Foto: "Wanderung heute bei bestem Wetter. Blick vom Wanderweg auf den Bayerischen Wald und Böhmerwald, Richtung CZ." 

So sehen ungefilterte "ganz normale Fotos" aus, wenn Du sie fotografierst. Markus hat auf wesentliche Dinge geachtet, zum Beispiel dass der Weg vom Bildrand ins Bild führt und der Horizont gerade verläuft. Die Belichtung ist gut abgestimmt zwischen dem Himmel und der Landschaft. Du siehst, nicht jedes Foto bedarf des nachträglichen Make Ups, um vermeintlich mehr rauszuholen.

Das Thema "echte Fotos" habe ich inzwischen in der Fotoschule ständig. Wenn ich Fotofans anspreche, ein Foto zu einem gewissen Thema anzufertigen, kommt als Ergebnis ein auf Maximum getrimmtes Werk. Mehr oder weniger Filter, Photoshop-Presets von den YouTube- Spezialisten, retuschierte Bereiche und teils ganze Bildelemente getauscht. Frage ich nach, warum das immer so sein muss, fällt bei vielen Fotofans direkt die Jalousie: „das ist eben mein Stil!“

Einen Stil zu haben, ist etwas ganz Besonderes und sehr gut. Es zeigt schließlich, dass man aus all den Möglichkeiten, die uns die Fotografie bietet, seinen Weg herausgepickt hat. Wenn Du Deinen Stil gefunden hast, kannst Du jedoch ganz bewusst zwischen diesem (Deinen) Stil und anderen Aufgaben wechseln. Gelingt Dir das nicht, dann ist der eigene Stil in heutigen digitalen Zeiten lediglich das Anwenden der immergleichen Filter und Presets. Je spektakulärer, umso mehr Aufmerksamkeit in den Medien. Leider nutzen diese Effekte genauso ab, wie seinerzeit zu analogen Zeiten die Filterchen vorm Objektiv. Und ist das wiederkehrende Anwenden von Filtern und Presets ein persönlicher Stil...?



Viel besser als solche künstlichen Veränderungen und Versuche des Aufpimpens ist es, wenn Dein Bild dem Betrachter eine Botschaft überbringt, eine Geschichte erzählt. Ein gutes Foto lässt den Bildbetrachter nicht direkt weiterscrollen zum nächsten Bild, sondern hält ihn für einen Moment fest. Das soll nicht heißen, dass eine gute Bildgestaltung, die Farben und der Einsatz des Lichtes, die Schärfe und der Aufbau nebensächlich sind, aber diese Dinge weichen bei einer interessanten Bildaussage in den Hintergrund. Wenn Du die Fantasie des Bildbetrachters mit Deinem Foto anregst, vielleicht mit Deinem Bild ein Gefühl erzeugst, ihm durch Dein Bild Erinnerungen an einen gemeinsam besuchten Ort oder eine vergleichbare Situation in seinem Leben plastisch werden lässt, dann ist das Bild gelungen. Das kann der treue Blick Deines Hundes sein, der Straßenmusiker in der italienischen Altstadtgasse, die am Strand auslaufende Welle, das Glück in den Augen des Brautpaares, im Grunde alles mögliche sein. Hier ist kein Lernen der physikalischen Foto-Regeln gefragt, hier ist Deine Kreativität und Dein offenes Foto-Auge gefordert. Dafür brauchst Du keine Filter-Apps und Bildverarbeitungs-Presets. Das steuerst Du mit Deiner Kamera in der Hand, wohlgemerkt mit welcher ist da auch zweitrangig.


Lass den Bildbetrachter etwas fühlen! In Deinem Bild oder durch Dein Bild. 

Mobirise

"Alle hatten im Urlaub an der See eine Menge Spaß und verbrachten die ganze Zeit am Meer!" Das hat Fotofan Margit auf ihre Art dargestellt, indem sie das lustige Kerlchen am Strand, im Wasser so positionierte, dass man auch die typischen Poller im Wasser beiläufig wahrnimmt und der Blick des Betrachters langsam hinaus schaut aufs offene Meer. 

Mobirise

Die Rose am Meer mag für den Einen die pure Romantik sein und die Verbundenheit zur See, die schönen Stunden zu zweit oder eine herrliche Zeit symbolisieren. 

Mobirise

"Unser Urlaub am Meer"

Das könnte die Botschaft des Fotos sein. Was hier einfach so als Nachricht für den Bildbetrachter transportiert wird, ist in echt das Produkt einer überlegten Bildgestaltung, etwas Arbeit und Geschick.

Es beginnt mit der Tageszeit, wenn sie auch nicht sofort wahrgenommen wird, aber es ist das warme Licht des Sonnenunterganges, das Du im Bild links erkennst. Die Figürchen stehen auf einem der Ostsee-Poller (Einheimische nennen sie gelegentlich auch Buhnen), sprich es ging ab in die Hocke und im Vordergrund liegt noch eine Muschel (die da logischerweise auch nicht einfach so lag, sondern so dekoriert wurde).

Vieles von dem, was Du hier gerade liest, findest Du an anderen Stellen der Fotoschule wieder. Und doch rücken diese recht simplen Foto-Ideen oder Tipps in der heutigen schnelllebigen digitalen Zeit so schnell in den Hintergrund. Bei Fragen, welche digitalen Filterpakete denn Die Fotoschule bevorzugt oder empfehlen kann, komme ich immer wieder ins Grübeln. Auch heute noch sind es nicht die Filter, nachträglichen Korrekturen oder das oftmals verzweifelte Aufpimpen des Fotos, was Dich weiterbringt und zufrieden macht. Es ist immer noch die Kreativität, Deine Kreativität, die Dich letztlich zum guten Fotografen macht.

Versuche daran zu arbeiten, ich bin fest davon überzeugt, das ist der Weg! Die Frage nach Kameras, Objektiven und „besten“ Bildverarbeitungsprogrammen samt Filtern folgt dann allmählich ganz natürlich. Dann weißt Du, was Du brauchst für Deinen Weg und holst Dir gezielt das passende Handwerkszeug. Und das setzt Du dann ein, um Deinen Weg weitergehen zu können und Deine Ideen zu verwirklichen.
Mobirise

Fotofan Chantal hat dieses beeindruckende Foto eines herannahenden Gewitters über dem Münsterland fotografiert. Dafür ist sie nach der Wettervorhersage Stunden in dieses Gebiet gefahren in der Hoffnung, es so vorzufinden, wie es dann letztlich kam. Auch wenn sie lieber die Natur in ihrer ganzen Schönheit das Licht selbst auf die Speicherkarte malen lässt, kommt sie um den Eingriff ins Bild nicht herum. Da der Kontrastumfang bei ihren Wetterbildern (heller Himmel, dunkle Landschaft) zu groß ist, kommt bei ihr immer ein digitaler Verlaufsfilter zum Einsatz. Ebenso anpassen muss sie meistens den Kontrast, zu starke Lichter, Schatten, Dynamik, Sättigung und oft die Schärfe. Das aber alles in einem Rahmen, der ihre Bilder natürlich wirken lässt und eher dem Defizit der kameratechnischen Grenzen entgegenwirkt. Könnte die Kamera mit dem immensen Kontrastumfanges umgehen, würden sich auch die nachträglichen Eingriffe erübrigen.

Mobirise

Zum Thema "Eigener Stil" und eigener Sichtweise zwei schöne Beispiele. Das Motiv wurde zu unterschiedlichen Zeiten von Fotofan Chantal und Rolf (rechts) fotografiert. Beide wählen eine andere Vorgehensweise, die Farbtemperatur, der Zeitpunkt, die Perspektive, Brennweite, Position, Whitebalance unterscheiden sich deutlich. Es entstehen zwei unterschiedliche Bilder, bei dem jedes für sich sehr schön und ausdrucksstark geworden ist.

Mobirise

Wenn Du genau hinschaust, erkennst Du sogar zwei unterschiedliche Bildaussagen. Mal ist es der romantische abgeschiedene Ort auf dem Wasser wenige Stunden vor Sonnenuntergang, mal die Einladung dem Steg zu folgen und weiteres zu entdecken in und rundum dieser interessanten Holzhäuser.

Mobirise

Normales im anderen Licht

Manche Motive sind Dir vermutlich schon so geläufig, dass sie Dir als ein lohnenswertes Foto-Motiv gar nicht mehr auffallen.

Fotofan Benjamin hat sein Bild im Taxi-Schild bereits gesehen, bevor er es fotografierte. Zum passenden Bildausschnitt überzog er es farblich in einem Turkis-Verlauf, so ergeben der Himmel und das Autodach einen harmonischen Farbton. Das Gelb des Schildes sticht dagegen farblich besonders hervor.

Durch die richtige Wahl der Schärfentiefe machte Benjamin das Schild zum Mittelpunkt des Bildes.
Auch eine Geschichte erzählt das Bild. Die im Hintergrund unscharf erkennbaren Personen symbolisieren die Taxi-typische Aufbruchsstimmung.  

Mobirise

fotografiert von Fotofan Harry

Die Fotoschule gibts auch bei

Hier findest Du einige Beispiele, was Du alles in der Fotoschule entdecken kannst:

Mobirise

Seifenblasen

… blas Dir Deine eigene Glaskugel

Immer, wenn eine Kältewelle in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit richtig niedrigen Temperaturen auf uns zurollt, kommt die Zeit der Gefrorenen Seifenblasen.

Dann ist das ideale Wetter für Fotos von gefrorenen Seifenblasen!

Hast Du schon mal gefrorene Seifenblasen fotografiert?
Nein?

Na dann mal los...

klick mich >>

Mobirise

RAW

RAW und kein Ende...
Die Fotoschule hat dem Thema rund um das digitale Negativ einige Seiten spendiert, die Dir helfen sollen, für Dich den richtigen Weg mit oder ohne RAW zu finden.

Du findest Tipps zu den einzelnen Bearbeitungsschritten und eine Übersicht an aktuellen RAW-Entwicklungs-Tools. 

klick mich >>

Mobirise

Nachtaufnahme

... mit dem iPhone

Du glaubst, das geht nur in mieser Qualität? Hier findest Du alle Tipps, wie Du die Kamera im Smartphone als vollwertige und leistungsfähige Kamera einsetzen kannst. In Deinem Telefon steckt nämlich so viel mehr, das Du im Standardeinsatz im bloßen Touch auf den Auslöser niemals abrufen kannst. Und nur, weil alle das so machen und es jeder nachredet, musst Du es nicht auch falsch machen.
Natürlich mit den Links zu richtig guten Apps.

klick mich >>

Mobirise

Tür und Tor

Auf manche Motive muss man erstmal kommen, denn ständig läufst Du dran vorbei oder sogar hindurch...

"Türen sind die Seele des Hauses; sie sind warm einladend oder ungemütlich kalt"

Die neue Rubrik der Fotoschule zeigt Dir die bunten Darßer Türen, die kunstvollen Türen Funchals, Türen im Lost Place oder auf dem Weg zu den Wasserfällen von Arure.

klick mich >>

Weil sich heutzutage oftmals Fotofans dran stoßen, wenn ich von dem Fotografen oder der Fotografin spreche, auch an dieser Stelle mein   

Genderhinweis:  

Ralfonso online und somit selbstverständlich auch Die Fotoschule legen großen Wert auf Diversität und Gleichbehandlung. Im Sinne einer besseren Lesbarkeit meiner Texte, wählt Die Fotoschule jedoch oftmals entweder die maskuline oder feminine Form. Dies impliziert keinesfalls eine Benachteiligung des jeweils anderen Geschlechts. Wenn Die Fotoschule also beispielsweise von Lehrern und Schülern spricht, sind selbstverständlich auch Lehrerinnen und Schülerinnen gemeint. Das gilt natürlich vollkommen gleichwertig für m/w/d/u. Das sagt nämlich nichts über gute oder schlechte Fotos aus, wer da die Kamera in der Hand hält.

Das Geheimnis der Veränderung besteht darin, deine ganze Energie darauf zu konzentrieren, Neues aufzubauen, statt Altes zu bekämpfen!