Bildauflösung 72 dpi oder 96 dpi
Was sagt diese Zahl eigentlich aus?

Seitdem Tante Gerti hightech-fähig geworden ist und sie mit Ei-Fon, Netbook und Digicam durch den Marienkäferzuchtverein streift, werden ihre bisher eher einfältigen Fragen allmählich arg kompliziert. So war es auch am letzten Sonntag beim gemütlichen Streuselkuchen- Essen in Tante Gertis Wohnküche: "was ist eigentlich die bessere Auflösung, 72 dpi oder 96 dpi? Und werden dann meine Bilder unterschiedlich groß? Ach, und wie ist das beim Drucken auf dem Drucker und wenn ich die Bilder an den Onlinedienst zum Entwickeln sende?"

Tja, was hat es mit den Angaben "72 dpi / 96 dpi" auf sich und was verändert es an Deinem Bild?

Um es einfach auszudrücken:

NIX


Etwas ausführlicher ausgedrückt (auch wenn ich in der Fotoschule solche Ausführungen zu vermeiden versuche...) heisst NIX folgendes:

Vor ein paar Jahren, als die Monitorwelt noch überschaubar und TFT´s sündhaft teure Dinger in funzeligen Laptops waren, gab es zwei Bildschirm- Auflösungen: 800x600 und als Luxusversion bei 17"- Röhrenbildschirmen 1024x768 Bildpunkten. Die Lochmasken der Bildschirme waren bei allen Herstellern in etwa gleich groß und konnten 72 Bildpunkte in einem Inch darstellen. So hatte man fast so etwas, wie einen Standard geschaffen: 72 dpi (dots per inch = 72 Punkte pro 2,54 cm). Da war es tatsächlich noch möglich, mit einem Zentimetermaß "echte" Bildgrößen am Bildschirm abzumessen.

Dann kamen Bildschirme mit besseren Lochmasken, die mehr Bildpunkte auf einem Inch darstellen konnten: 96 dots per inch. Damit begann aber schon der Kurmel, denn nun ging das mit dem Zentimetermaß am Monitor nicht mehr. Auch die Bildschirmdiagonale hat überhaupt nichts mit der Auflösung von 72 oder 96 dpi zu tun. Diese Werte beziehen sich ebenfalls auf die Lochmaske der jeweiligen Monitore.

Heutzutage haben wir Netbooks mit Minibildschirmen und Bildschirmauflösungen, die damals ein großer 17" - Bildschirm
schaffte. Jeder Hersteller hat unterschiedlich große "kleinste Bildpunkte" und so kommt es, dass Dein Foto auf jedem Bildschirm unterschiedlich groß dargestellt wird. Es fehlt eine Norm, wie groß eigentlich ein Dot (Bildpunkt oder Pixel) real ist. Wäre ein Bildpunkt genormt und so groß wie ein Fliegenschiss, dann wären viele relativen Werte besser aufeinander zu beziehen.

Soviel zu dem ehemaligen Standard :-)

Im Hafen von Civitavecchia, dem Port de Roma am frühen Abend während des Auslaufens der AIDAbella.

Im Hafen von Civitavecchia, dem Port de Roma am frühen Abend während des Auslaufens der AIDAbella.

Aus meiner Fotoserie der
Digital-Fotogalerie Rubrik AIDA - Ralfonso auf See HIER

Was macht Dein Internetbrowser mit einem Web- Bild (ein Foto, das z.B. in einem Online- Fotoalbum liegt)?

Den Firefoxern, Explorern und Browsern ist die Auflösung ganz einfach wurscht, ihnen ist nämlich auch gleichgültig, wieviel Zentimeter, Inch oder Zoll der Bildschirm Deines Blechottos misst.
Solange, wie die Breite und Höhe nicht ausdrücklich anders angegeben ist, wird 1 Pixel der Datei auch als 1 Pixel auf dem Bildschirm ausgegeben. Fotofans sprechen hier auch oft von der 100% - Auflösung. Auch bei der Darstellung von Seiten im WWW (Internet) zählen nur Breite und Höhe in Pixeln (Punkt zu Punkt, stur weg).
Also auch nix mit 72 dpi.


Was bewirkt denn dann die DPI- Angabe in der Bilddatei?

Wenn Du in die EXIF des Bildes oder in den HEADER der Datei die Zahl 96 oder 72 schreibst, hast Du denselben Effekt. Mehr ist das nicht. Wenn ein Bild 900 Pixel breit ist, dann ist es 900 Pixel breit, egal welche "DPI Zahl" drin steht. Genau genommen wäre die Angabe ppi (pixel per inch) treffender, als dpi (dots per inch).


So bleibt nur noch die Hoffnung, daß die 72 dpi wenigstens für den Druck wichtig sind.

Aber leider heisst es auch hier: nur das echte Pixelfutter des Bildes zählt!
Die DPI- Zahl hat keinen Einfluß auf den generellen Bildinhalt und die Bildqualität. Die wird bestimmt durch die tatsächliche Anzahl der insgesamt vorhandenen Bildpunkte (z.B. ca. 3600x2400 Pixel bei einer 8 Megapixel- Kamera). Die Qualität Deines Druckers entscheidet darüber, welche Auflösungsqualität maximal erzielt werden kann. Bestimmt wird das durch den kleinsten druckbaren Tintentropfen, sprich Dot. Vor einigen Jahren schafften Drucker 300 dpi (Tinten- Dots pro Inch), heutige Modelle gehen an die 10000! Die Bildqualität des fertigen Druckes wird also einzig und allein von der Gesamtzahl an Bildpunkten in der Bilddatei bestimmt; sie muß ausreichen, um den Hunger des Druckers zu stillen. Darum ist eine größere Bilddatei auch in der Lage, große Fotos (Poster) in hoher Qualität abzubilden, denn es bleiben ausreichend viele Pixel übrig, um kleinste Flächen zu füllen. Die Größe des Druckes bestimmst Du indirekt über den Druckertreiber durch variable Zuordnung der Bildpunkte pro Inch. Mit der festen Auflösung 72 dpi hat das rein gar nichts zu tun.

Hafeneinfahrt von Marseille,  fotografiert von der AIDAbella.

Hafeneinfahrt von Marseille, fotografiert von der AIDAbella.

Aus meiner Fotoserie der
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Bringt denn dann die Einstellung 72 dpi überhaupt was?

Ja, etwas bringts.
Viele Windows- und Bildbearbeitungsprogramme und einige Bildviewer orientieren sich an dieser Vorgabe und bilden das Foto dann auf dem Bildschirm in einer gewissen angepassten Größe ab. So werden Fotos nicht direkt als 100%- Bild in 1:1 (also ein Bildschirm-Pixel = ein Bilddatei-Pixel) dargestellt, was bei fast allen Monitoren dazu führt, daß das Bild nur in einem sichtbaren Ausschnitt auf dem Monitor erscheint. Allerdings ist es für diese Programme fast unerheblich, ob in der Bilddatei 72 oder 96 dpi steht, die Hauptsache, es steht nicht 1 Pixel Auflösung drin (1 dpi).


So, und das alles versuchst Du jetzt mal Tante Gerti zu verklickern, viel Spaß....

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